Bundesland Baden-Württemberg

01/13/2026 | News release | Distributed by Public on 01/13/2026 08:59

Weltweit erste kriminologische Studie zur deutschen „Terrorgramszene“

Sicherheit

Weltweit erste kriminologische Studie zur deutschen "Terrorgramszene"

Das Landeskriminalamt hat die weltweit erste kriminologische Studie zur deutschen "Terrorgramszene" vorgestellt. Der Begriff umfasst ein rechtsextremistisches Netzwerk, das sich vor allem digital über den Messenger-Dienst Telegram formiert.

13.01.2026
Berechne Lesezeit
CopyrightInnenministerium Baden-Württemberg
Innenminister Thomas Strobl (Mitte) auf der Pressekonferenz des Landeskriminalamts Baden-Württemberg zur "Terrorgramszene"

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat in Kooperation mit den Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München zum ersten Mal eine umfassende kriminologische Auswertung (PDF) von Ermittlungsakten zur sogenannten "Terrorgramszene" durchgeführt. Die wichtigsten Erkenntnisse über diese rechtsextremistische Szene, die sich über das Netz organisiert und radikalisiert und die äußerst gewalt- und terrorbereit ist, hat Innenminister Thomas Strobl nun vorgestellt.

"Der digitale Raum darf kein rechtsfreier Raum, keine Brutstätte für extremistische Propaganda und Rekrutierung sein. Mit einer weltweit ersten kriminologischen Auswertung haben wir die sogenannte 'Terrorgramszene' aufgehellt. Dieses dezentrale Netzwerk meist sehr junger, äußerst gewaltbereiter Täter/Personen, die sich in kürzester Zeit radikalisieren, ist eine sicherheitspolitische Herausforderung. Wichtig ist: Die Sicherheitsbehörden haben hier hoch effizient gearbeitet. Durch die enge Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und Polizei konnten radikalisierte Personen frühzeitig erkannt und Terrorpläne verhindert werden. Gleichzeitig gilt: Fast alle hatten diagnostizierte psychische Erkrankungen oder psychische Auffälligkeiten. Umso wichtiger ist, dass hier alle ganz genau hinschauen, um die Szene bekämpfen und austrocknen zu können", so der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl bei der Vorstellung der Ergebnisse des Analyseprojekts.

Der Begriff "Terrorgram" umfasst ein rechtsextremistisches Netzwerk, das sich vor allem digital über den Messenger-Dienst Telegram formiert und dort Inhalte verbreitet, die terroristische Gewalt befürworten und propagieren. Es handelt sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene. Anschläge und Amoktaten werden verherrlicht und es wird zur Nachahmung aufgerufen. Die gewaltverherrlichende Online-Szene wächst seit Jahren stark. Sie zielt darauf ab, durch Gewalt Chaos auszulösen und so die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz zu bringen. Die Gewaltbereitschaft der Mitglieder ist hoch, die allermeisten Täter in der Studie untersuchten Fällen haben fortgeschrittene oder deutlich sichtbare Vorbereitungen für Gewalttaten getroffen. So haben sie etwa Waffen beschafft oder waren in der Planung der Tat weit fortgeschritten.

Wichtige Erkenntnisse der Studie

  1. Die "Terrorgramszene" ist sehr jung. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp über 16 Jahren.
  2. Es finden Blitzradikalisierungen statt. Bei 50 Prozent dauert der Weg zur Radikalisierung weniger als ein Jahr.
  3. Entdeckt werden die Fälle fast immer (in drei Viertel der Fälle) durch die Sicherheitsbehörden selbst. Das zeigt umgekehrt auch: Die Sicherheitsbehörden haben hier höchst effizient gearbeitet.
  4. Fast alle Personen haben diagnostizierte psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten. Überraschend war der hohe Anteil von über 68 Prozent an diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Weitere 24 Prozent zeigten deutliche Anzeichen für entsprechende Erkrankungen. Damit kommt dem Umfeld auch eine besondere Bedeutung als Frühwarnsystem zu.
  5. Die allermeisten Personen sind familiär vernachlässigt und sozial desintegriert. Ziel der Landesregierung ist es deshalb, den Jugendlichen dabei zu helfen, verfügbare Angebote der Sozial- und Jugendarbeit wahrnehmen zu können.
  6. Die Gewaltbereitschaft ist hoch, die allermeisten haben fortgeschrittene oder deutlich sichtbare Vorbereitungshandlungen (zum Beispiel Waffenbeschaffung oder eine fortgeschrittene Tatplanung) für Gewalttaten unternommen.
  7. 37 Personen sind zwischen 2020 und 2025 sicherheitsbehördlich in Erscheinung getreten. Das Dunkelfeld aller Personen in dieser Szene liegt schätzungsweise in einem sehr hohen dreistelligen Bereich.

Die Staatsschutz Analyse- und Forschungseinheit im Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (SAT BW) hat das Forschungsprojekt in Kooperation mit den Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München durchgeführt. Ziel der kriminologischen Auswertung der 37 Fälle war es, die Beschaffenheit und die Radikalisierungsprozesse der "Terrorgramszene" zu untersuchen. Dafür haben die Forscher Aktenbestände bekannter Sachverhalte aus Polizei und Justiz in Deutschland mit einem Bezug zur "Terrorgramszene" nach wissenschaftlichen Kriterien und mittels eines Fragenkatalogs untersucht.

Praxisrelevante Maßnahmen aus Studie ableiten

Das SAT BW wird nun in einem nächsten Schritt anhand dieser Erkenntnisse praxisrelevante Maßnahmen ableiten - wie etwa Handreichungen für Ausstiegsprogramme, für Ermittlungen und für die Justiz. Mit der evidenzbasierten Ermittlungsarbeit des SAT BW, das deutschlandweit einmalig Polizei und Wissenschaft eng verzahnt, hat die Polizei Baden-Württemberg bereits die richtigen Weichen gestellt. Durch schnelle Kommunikation, Einbindung der Forschung und der Zusammenarbeit aller wichtigen Akteure haben wir ein gutes Frühwarnsystem entwickelt. Darüber hinaus bietet das Kompetenzzentrum gegen Extremismus (konex) zahlreiche, spezielle Schulungen für Personen aus dem Umfeld, unter anderem Lehrkräfte und Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an und leistet unmittelbare Ausstiegsarbeit. Hierfür arbeitet das konex eng mit Einrichtungen wie Hochschulen und Unikliniken zusammen, um zu sensibilisieren und das Frühwarnsystem weiter auszubauen.

Abschlussbericht zum Forschungsprojekt der Staatsschutz Analyse- und Forschungseinheit (SAFE) des Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrums Baden-Württemberg (SAT BW): "Teenage Terrorists" in Deutschland? Eine bundesweite Hellfeldstudie zur "Terrorgramszene" (PDF)

Weitere Meldungen

Copyright picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Ernährung

Sechster Förderaufruf für regionale Bio-Produkte

Copyright Staatsministerium Baden-Württemberg / Uli Regenscheit
Aktion Dreikönigssingen

Kretschmann empfängt Sternsingergruppen

Copyright picture alliance / dpa | Uli Deck
Migration

Landkreis Karlsruhe erfolgreich bei Arbeitsgelegenheiten für Geflüchtete

Copyright Landtag von Baden-Württemberg
Landtagswahl

Landeswahlausschuss lässt 21 Landeslisten zu

Copyright Ministerium der Justiz und für Migration
Justiz

Modernisierung der Wahlverfahren in der Justiz

Copyright MBW Marketinggesellschaft mbH
Ernährung

Genussführer 2026 vorgestellt

Copyright picture alliance/dpa | Uli Deck
Forschung

Baden-Württemberg tritt Allianz zur Fusionsforschung bei

Copyright picture alliance / dpa | Daniel Bockwoldt
Wirtschaftsnahe Forschung

9,7 Millionen Euro für Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Copyright picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
Justiz

Bund und Länder vereinbaren bundeseinheitliche Justizcloud

Copyright KM
Digitalisierung

Kooperation bei digitalen Bildungsplattformen zeigt Erfolge

Copyright Polizei Baden-Württemberg
Polizei

eAkte bei Polizei landesweit eingeführt

Copyright Polizei Baden-Württemberg
Sicherheit

Friedliche Weihnachtsmarktsaison 2025

Copyright picture alliance/dpa | Christian Charisius
Armutsbekämpfung

EU und Land gemeinsam gegen Kinder- und Jugendarmut

Copyright Innenministerium Baden-Württemberg
Polizei

Polizei spendet an Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

Copyright Von links nach rechts: Natalja Althauser, Foto: Mareike Sophie Dewitz / Sabine Eschbach, Foto: Anna & Alfred / Jan Snela, Foto: Maximilian Gödecke Photography / Luca Kieser, Foto: Ina Aydogan
Kunst und Kultur

Land vergibt Literaturstipendien 2026

Bundesland Baden-Württemberg published this content on January 13, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 13, 2026 at 14:59 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]