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10/26/2026 | Press release | Distributed by Public on 10/26/2026 01:56

Transatlantische Partnerschaft: Ungleiches Vertrauen, gemeinsame Interessen

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Quellenangabe © Paul Feldkamp

26.10.2026

Transatlantische Partnerschaft: Ungleiches Vertrauen, gemeinsame Interessen

Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen 2026 zeigt eine neue gemeinsame Studie unserer Stiftung und der Bertelsmann Foundation North America, dass es auf beiden Seiten des Atlantiks Unterstützung für eine pragmatische Zusammenarbeit bei gemeinsamen Interessen und für ein eigenständigeres Europa gibt. Beim gegenseitigen Vertrauen besteht jedoch ein deutliches Ungleichgewicht: Nur halb so viele Europäer:innen halten die USA für vertrauenswürdig, wie umgekehrt Amerikaner:innen Europa vertrauen. Dennoch befürworten Mehrheiten auf beiden Seiten engere EU-US-Beziehungen. Wenn es um den Ausbau künftiger Partnerschaften geht, steht allerdings Kanada an erster Stelle.

Ansprechpartner

Brandon Bohrn

Inhalt

Während sich Amerika auf die Midterm-Wahl im November vorbereitet, zeigt die neue Studie "Unequal Trust, Shared Interests - European and American Views on the Future of Transatlantic Relations", dass sich die Erwartungen der Bevölkerung an die transatlantische Partnerschaft verändern. Eine tiefgreifende Vertrauenslücke prägt die Beziehung: 72 Prozent der Amerikaner:innen halten Europa für vertrauenswürdig, verglichen mit nur 36 Prozent der Europäer:innen, die dies den USA gegenüber empfinden.

Eine größere europäische Unabhängigkeit findet auf beiden Seiten des Atlantiks Unterstützung, wobei die Präferenz in Europa deutlich stärker ist. 73 Prozent der Menschen in Europa sagen, Europa solle nach jahrzehntelanger enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten einen eigenen Weg gehen; eine Ansicht, die von einer knappen Mehrheit der Amerikaner:innen (52 Prozent) geteilt wird. Zugleich halten beide Seiten dieses Ziel für erreichbar: Jeweils 59 Prozent glauben, dass Europa realistischerweise unabhängiger werden kann.

Gleichzeitig sprechen sich Europäer:innen und Amerikaner:innen für eine engere Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Partnern aus. Kanada steht dabei auf beiden Seiten an erster Stelle, genannt von 36 Prozent in der EU und 44 Prozent in den USA. Das Vereinigte Königreich ist ebenfalls ein prominenter Wunschpartner, mit 34 beziehungsweise 37 Prozent. Unter den Amerikaner:innen erhält die EU 37 Prozent Zustimmung und teilt sich den zweiten Platz mit dem Vereinigten Königreich. Diese Präferenzen deuten auf Interesse beider Seiten an einem größeren Netzwerk transatlantischer Partnerschaften hin.

Trotz Wunsch nach Unabhängigkeit: Unterstützung für engere Beziehungen zwischen EU und USA

Neben ihrer Unterstützung für größere europäische Unabhängigkeit und breitere Partnerschaften sprechen sich Mehrheiten weiterhin für engere EU-US-Beziehungen aus. 62 Prozent der Europäer:innen und 73 Prozent der Amerikaner:innen befürworten eine Stärkung der Partnerschaft, unabhängig davon, welche US-Regierung im Amt ist. Diese Unterstützung erstreckt sich über das gesamte politische Spektrum auf beiden Seiten des Atlantiks. Sicherheit und Verteidigung stehen bei den Prioritäten für Zusammenarbeit an erster Stelle, gefolgt vom Handel, während die Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China ein weiteres gemeinsames Anliegen darstellt.

In Deutschland ist der Gegensatz zwischen Misstrauen und dem Wunsch nach engerer Zusammenarbeit besonders ausgeprägt: Nur 25 Prozent der Befragten halten die USA für einen vertrauenswürdigen Partner, gegenüber 36 Prozent im EU-Durchschnitt. 80 Prozent meinen, Europa solle künftig seinen eigenen Weg gehen; eine kleinere, aber immer noch deutliche Mehrheit von 61 Prozent hält größere Unabhängigkeit von den USA für realistisch. Dennoch sprechen sich 63 Prozent dafür aus, die Partnerschaft zwischen der EU und den USA unabhängig von der jeweiligen US-Regierung zu vertiefen. Als vorrangige Bereiche für die Zusammenarbeit nennen die Befragten in Deutschland am häufigsten Sicherheit und Verteidigung (54 Prozent), Handel (49 Prozent) und Klimapolitik (44 Prozent).

Europäer:innen vertrauen den USA weniger, zeigen sich aber pragmatisch

Brandon Bohrn, unser Experte für transatlantische Beziehungen, argumentiert: "Die Europäer:innen wünschen sich mehr Unabhängigkeit, sehen aber weiterhin einen Wert in der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Die Politik hat den Rückhalt der Bevölkerung, Europas eigene Fähigkeiten zu stärken, Partnerschaften mit Ländern wie Kanada und dem Vereinigten Königreich auszubauen und pragmatisch mit Washington zusammenzuarbeiten, wo dies noch möglich ist und im gemeinsamen Interesse beider Seiten liegt. Dies zeigt, dass sich trotz der unberechenbaren und oft konfrontativen Haltung der Trump-Regierung gegenüber der EU diese Ambitionen gegenseitig verstärken können, wenn Europa mehr Verantwortung für seine eigene Zukunft übernimmt."

Courtney Flynn Martino, Stellvertretende Direktorin für transatlantische Beziehungen bei der Bertelsmann Foundation North America, fügt hinzu: "Trotz des schwindenden Vertrauens betrachtet die europäische Öffentlichkeit die Vereinigten Staaten weiterhin als ihren wichtigsten Verbündeten, und die Amerikaner:innen zeigen nach wie vor Interesse an engeren Beziehungen zu Europa. In Verbindung mit nahezu identischen Prioritäten für zukünftige Kooperationsbereiche gibt es zahlreiche Möglichkeiten für die USA und Europa konstruktiv zusammenzuarbeiten, auch wenn das Bündnis zukünftig weniger auf Washington und Brüssel fokussiert ist."

Weitere Ansprechpartnerin für diese Meldung

Courtney Flynn Martino
Bertelsmann Foundation North America
Telefon: +1 202 340 2735
E-Mail: [email protected]

Publikation

Brandon Bohrn, Courtney Flynn Martino and Daniela Schmidt

Materialien

Zusatzinformationen

eupinions ist ein europäisches Meinungsforschungsinstrument unserer Stiftung, dessen Daten von Nira Data erhoben werden. eupinions befragt regelmäßig Bürgerinnen und Bürger in allen 27 EU-Mitgliedstaaten zu europäischen Themen. Die dieser Analyse zugrundeliegenden Umfragen wurden im September 2024, September 2025 und August 2026 in der EU sowie in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Details zur Methodik der Umfrage sind in der Publikation enthalten. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.eupinions.eu.

Hintergrundinfos

Bertelsmann Stiftung published this content on October 26, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on October 26, 2026 at 07:56 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]