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18.09.2026 Von Tobias Schmidt 4 min Lesedauer
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KI hat die Produktivität einzelner Mitarbeiter in Entwicklung, Produktmanagement und Design deutlich erhöht. Die eigentliche Herausforderung liegt nun darin, diese individuellen Effizienzgewinne in einen messbaren Mehrwert für ganze Organisationen zu übersetzen.
Genau darin liegt derzeit eine der wichtigsten Aufgaben moderner Produktentwicklung: Die technischen Hürden für Analyse, Prototyping und Umsetzung sinken, während die Zahl möglicher Ideen, Anforderungen und Handlungsoptionen wächst. Für Unternehmen wird es dadurch immer wichtiger, aus einer wachsenden Menge an Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen und Ressourcen gezielt einzusetzen. Der entscheidende Unterschied entsteht nicht mehr allein durch die Geschwindigkeit einzelner Arbeitsschritte, sondern durch die Fähigkeit, Orientierung zu schaffen und gemeinsam die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Der Engpass liegt nicht mehr in der Umsetzung, sondern in der grundlegenden Entscheidung
Nur, weil etwas technisch umsetzbar ist, bedeutet das noch nicht, dass es auch entwickelt werden sollte. Die Fähigkeit, schneller zu entwickeln, schafft nur dann einen Wettbewerbsvorteil, wenn Teams gleichzeitig bessere Entscheidungen treffen. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI in Innovationsprozessen verschiebt sich der zentrale Engpass daher von der Umsetzung hin zur Entscheidungsfindung. Nicht die Geschwindigkeit der Entwicklung bestimmt den Erfolg, sondern die Fähigkeit, die richtigen Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen. Dies zeigt sich auch in Ergebnissen aktueller Befragungen. So sehen 89 Prozent der von Forrester Consulting befragten Führungskräfte eine bessere Zusammenarbeit als entscheidend für das Erreichen ihrer Unternehmensziele. Gleichzeitig nennen 46 Prozent Schwierigkeiten bei der Priorisierung von Initiativen als zentrales Hindernis für den Erfolg ihrer Teams. Führungskräfte aus Produktentwicklung und Innovation sehen den größten Verbesserungsbedarf daher nicht in der eigentlichen Umsetzung, sondern in den frühen Phasen des Entwicklungsprozesses - bei der Ideengenerierung, Bewertung und Marktvalidierung.
Wenn alle schneller werden, aber in unterschiedliche Richtungen laufen
Die Ursache liegt häufig in der Art und Weise, wie KI heute genutzt wird. Erkenntnisse entstehen oftmals in isolierten Systemen und bleiben damit nur im Kontext einzelner Personen. Drei Viertel der befragten Führungskräfte sind der Ansicht, dass heutige KI-Werkzeuge zu stark auf individuelle Produktivität statt auf Teamarbeit ausgerichtet sind. Gleichzeitig berichten 69 Prozent, dass der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeits- und KI-Anwendungen Reibungsverluste verursacht. Teams erkennen dadurch oft erst spät, dass unterschiedliche Annahmen getroffen oder Prioritäten verschieden bewertet wurden. Für Unternehmen wird deshalb eine andere Frage immer wichtiger: Wie kann KI die Zusammenarbeit verbessern - und nicht nur die Leistung einzelner Personen? Genau hier zeigt sich eine aktuelle Lücke. In einer Befragung von mehr als 2.000 Fachkräften aus Produktmanagement, Engineering und Design gibt lediglich ein Viertel der Befragten an, dass KI ihre Zusammenarbeit verbessert hat.³ Gleichzeitig berichten rund ein Drittel der Führungskräfte, dass bestehende KI-Initiativen bereits existente Silostrukturen sogar verstärken.
Drei Hebel, um KI von der individuellen zur Teamwirkung zu transformieren
Wer KI nachhaltig nutzen möchte, sollte sie dort verankern, wo Entscheidungen getroffen werden und Zusammenarbeit wirklich stattfindet. Besonders entscheidend sind dabei drei Punkte:
Führungskräfte schaffen die Voraussetzungen
Ob KI einen nachhaltigen Beitrag zur Wertschöpfung leistet, hängt weniger von einzelnen Werkzeugen als von organisatorischen Rahmenbedingungen ab. Entsprechend interessieren sich bereits 82 Prozent der von Forrester befragten Führungskräfte für KI-Lösungen, die gezielt die Zusammenarbeit auf Teamebene unterstützen. Wesentlich sind dabei drei Prinzipien: KI zunächst in klar abgegrenzten Anwendungsfällen einsetzen, gemeinsames Wissen als strategische Ressource pflegen und Erfolg daran messen, wie gut Teams zu fundierten Entscheidungen gelangen.
Fazit: KI gezielt integrieren
KI entfaltet ihren größten Wert nicht dort, wo einzelne Aufgaben schneller erledigt werden, sondern dort, wo sie gemeinsames Verständnis schafft. In Entwicklungsumgebungen mit zahlreichen Abhängigkeiten, Beteiligten und Datenquellen wird die Fähigkeit, Wissen und Entscheidungen zu synchronisieren, zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Unternehmen, die KI gezielt in ihre Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse integrieren, schaffen die Grundlage für schnellere Abstimmung, fundiertere Entscheidungen und wirksamere Innovation.
Tobias Schmidt ist Head of DACH bei Miro .
Diesem Beitrag zugrunde liegende Studien und Umfragen