06/24/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/24/2026 02:19
Berlin, 24. Juni 2026 - Die Menschen in Deutschland bewerten ihre eigenen Digitalkompetenzen im Schnitt mit der Schulnote "befriedigend" (2,6). Damit liegt die Selbsteinschätzung, wie sicher digitale Geräte bedient und technische Anwendungen wie Software oder Apps sinnvoll genutzt werden können, im mittleren Bereich - mit Luft nach oben. Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während sich die 16- bis 29-Jährigen im Schnitt eine 2,1 geben, bewerten die über 75-Jährigen ihre Digitalkompetenz nur mit 3,6. Insgesamt mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) sagt außerdem, dass sich digitale Technologien schneller weiterentwickeln, als sie sich die entsprechenden Fähigkeiten aneignen können.
Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026. Befragt wurden 1.005 Personen in Deutschland ab 16 Jahren. Die Ergebnisse wurden heute im Rahmen einer Pressekonferenz der Initiative "Digital für alle" vorgestellt.
Um sich neue digitale Kenntnisse anzueignen, setzen viele Menschen zunächst auf Eigeninitiative. Drei Viertel (75 Prozent) probieren Neues eigenständig aus. Fast ebenso viele (71 Prozent) lassen sich digitale Fähigkeiten von Freundinnen und Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern erklären. Rund die Hälfte (49 Prozent) nutzt Videos, etwa auf YouTube, um sich neue digitale Kenntnisse anzueignen und 45 Prozent haben bereits KI-Anwendungen wie ChatGPT dafür angewendet. Klassische Lernangebote werden seltener genutzt: 37 Prozent haben bereits Online-Seminare oder -Schulungen besucht, gut ein Viertel (27 Prozent) Seminare oder Schulungen vor Ort.
Mehrheit sieht Digitalisierung als Chance, aber Unsicherheiten bleiben
Grundsätzlich stehen die Menschen in Deutschland der Digitalisierung positiv gegenüber. 83 Prozent sehen sie als Chance für die Gesellschaft. Für viele sind digitale Geräte und Anwendungen längst fester Bestandteil des Alltags: 80 Prozent sagen, dass digitale Geräte und Anwendungen ihr Leben leichter machen, 78 Prozent können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Zudem finden 63 Prozent, dass sich digitale Geräte und Anwendungen heute einfacher einrichten und in Betrieb nehmen lassen als früher.
Gleichzeitig bestehen aber auch Unsicherheiten: mehr als ein Drittel (36 Prozent) hat Hemmungen, digitale Angebote etwa von Banken, Online-Shops oder Behörden zu nutzen. 18 Prozent würden lieber in einer Welt ohne digitale Technologien leben. Auch mit Blick auf die Gesellschaft insgesamt bleibt digitale Teilhabe also eine Herausforderung. 60 Prozent der Menschen in Deutschland sehen die Gesellschaft als digital gespalten. Damit ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr (67 Prozent) zwar zurückgegangen, liegt aber weiterhin auf hohem Niveau.
Eva-Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes kommentiert: "Mit digitalen Kompetenzen, das machen die Zahlen deutlich, ist längst mehr und anderes gemeint, als die Fähigkeit, eine App zu installieren. Der kompetente Umgang mit Social Media, Plattformen und KI braucht - neben gesetzlichen Regeln - Selbstregulierungskompetenzen, die im Heranwachsen systematisch erlernt werden müssen. Um unsere Kinder wirksam gegen drohende digitale Abhängigkeit, Verzweckung und Betäubung der Kritikfähigkeit zu schützen, braucht es ein breites Bildungsbündnis von Schule, Elternhaus und Betrieb. Wir brauchen "Safeguarding"-Konzepte, die gerade diejenigen befähigen, die durch die Logiken der KI von Ausgrenzung besonders bedroht sind. Um sich in den digitalen Welten nicht zu verlieren, braucht es analoge Begegnungsräume, in denen jene Kompetenzen gestärkt werden, die es im digitalen Zeitalter besonders braucht: Empathie, Neugier und Urteilsfähigkeit."
Digitaltag 2026 rückt digitale Sicherheit in den Fokus
Am 26. Juni 2026 findet der bundesweite Digitaltag statt. Ziel des Aktionstags ist es, Digitalisierung für alle Menschen alltagsnah verständlich und erlebbar zu machen. Deutschlandweit gibt es mehr als 2.000 Aktionen vor Ort und online. Das Angebot reicht von Workshops, Seminaren und Schulungen über Beratungsangebote bis hin zu Tagen der offenen Tür und weiteren Mitmachformaten in zehn Themenfeldern. Der Aktionszeitraum läuft vom 20. bis 28. Juni 2026.
Der diesjährige Digitaltag steht unter dem Motto "Digitale Sicherheit: Verstehen. Vermitteln. Vertrauen." Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Menschen sicher, selbstbewusst und selbstbestimmt im digitalen Raum bewegen können. Die Studienergebnisse zeigen: Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (55 Prozent) sagt, dass digitale Technologien ihnen im Alltag ein größeres Sicherheitsgefühl geben. Zugleich gibt es bei konkreten Sicherheitsfragen zum Teil noch erheblichen Nachholbedarf: 75 Prozent geben an, einschätzen zu können, welche persönlichen Daten sie im Internet preisgeben sollten und welche nicht, 70 Prozent wissen, wie sie ein sicheres Passwort erstellen. 55 Prozent können Zugriffsrechte von Apps einschränken, 53 Prozent wissen, wie sie ihre Identität im Internet schützen, und 51 Prozent, was sie tun können, wenn ihre Daten online missbraucht wurden.
"Digitalisierung schafft nur dann echte Teilhabe, wenn die Menschen der Technik auch vertrauen. Sicherheit ist für uns deshalb keine nachgelagerte Frage, zumal auch die Landkreise Ziel von Cyberangriffen sind. Deshalb stellen wir uns dem, indem wir für einen sicheren Betrieb sorgen und die nötigen Kompetenzen aufbauen. Das muss immer mitgedacht werden. Anderenfalls verfehlt die Digitalisierung im Zusammenwirken verschiedener Behörden ihr Ziel.", erklärt Dr. Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages.
Große politische Beteiligung: Digitalminister Wildberger eröffnet Digitaltag-Livestream, Bildungsministerin Prien mit Abschlusskeynote
Der Digitaltag wird von einem offiziellen Livestream begleitet, der unter www.digitaltag.eu abrufbar ist. Eröffnet wird der Livestream von Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Dr. Karsten Wildberger um 9:30 Uhr. Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hält die Abschlusskeynote. Weitere Grußworte kommen von Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär. Ergänzt wird das Programm durch Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bildung sowie Liveschalten in das gesamte Bundesgebiet.
Für weitere Informationen zum Digitaltag sowie neueste Zahlen zur digitalen Teilhabe in Deutschland können Sie unter https://digitaltag.eu/presse die Presseinformationen abonnieren.
Hinter dem Digitaltag steht die Initiative "Digital für alle" - ein breites Bündnis aus 27 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Wohlfahrt und öffentlicher Hand. Das gemeinsame Ziel der Initiative ist es, digitale Teilhabe in Deutschland zu fördern.