04/30/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/30/2026 11:28
Schwerpunktthema: Pressemitteilung
30. April 2026 30. April 2026
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tod von Georg Baselitz kondoliert. Der Bundespräsident schreibt:
Als Georg Baselitz seine ersten Werke schuf, war es auch die Lust an Provokation, die ihn immer wieder angetrieben hat; die Provokation gegen Althergebrachtes, gegen gesellschaftliche Konventionen. Seine Radikalität und Kompromisslosigkeit fanden nicht sofort breitere Anerkennung. Mit seinem unverkennbaren Stil und seiner Ausdruckskraft hatte er aber längst einen festen Platz in der deutschen und internationalen Kunstlandschaft und wurde weltweit bewundert und verehrt.
Georg Baselitz hat nicht nur seine Bilder, er hat auch unsere Denkroutinen auf den Kopf gestellt. Er, der die Zerstörung und das Leid des Zweiten Weltkrieges als Kind erlebte, sah sich durch den Zusammenbruch aller Ordnungen dazu gezwungen, alles um sich herum in Frage zu stellen. Er strebte keine neue Form der Ordnung an. Er wollte Denkmuster und Ordnungen stören; verfremdete und abstrahierte alle Gegenstände, zergliederte sie und fügte sie neu zusammen. Die gegenständlichen Darstellungen waren bloßer Ausgangspunkt, die Malerei an sich stand für ihn immer im Mittelpunkt. Und genau damit schaffte er es, dass die Betrachter staunend, fragend und auch immer wieder provoziert auf seine Pinselführung, auf seine großformatigen expressiven Leinwandarbeiten blicken.
Gerne denke ich an unser Zusammentreffen 2019 anlässlich der Ausstellungseröffnung 'Die jungen Jahre der Alten Meister. Baselitz - Richter - Polke - Kiefer' in Stuttgart zurück. Und das lässt sich heute sagen: Georg Baselitz ist ein alter Meister im wörtlichen Sinne. Sein Werk ist klassisch geworden für die Kunst unserer Zeit.
Unser Land hat Georg Baselitz viel zu verdanken. Wir werden ihn nicht vergessen.