04/07/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/07/2026 03:52
Kreis Herford (07.04.2026). In der heutigen digitalisierten Welt sind Smartphones, Tablets und soziale Medien fester Bestandteil des Alltags geworden - auch für Eltern. Während der Fokus in der öffentlichen Diskussion häufig auf der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen liegt, wird die wachsende Medienpräsenz von Eltern im Familienalltag oft übersehen. Studien zeigen: Die ständige Mediennutzung von Eltern kann erhebliche Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung und die (früh-) kindliche Entwicklung haben.
Wenn Eltern zum Beispiel während gemeinsamer Aktivitäten - etwa beim Essen, Spielen oder beim Zubettgehen - auf ihr Smartphone schauen, sendet das dem Kind subtile, aber tiefgreifende Botschaften: "Du bist nicht die wichtigste Person in diesem Moment.". Wenn ein Kind auf dem Spielplatz ruft: "Schau mal!", doch der Blick der Mutter bleibt auf dem Display, nur ein kurzer, abwesender "Schön!"-Ruf - und schon ist die Aufmerksamkeit wieder bei der digitalen Welt.
Die ständige Ablenkung durch Medien verändert, wie Eltern und Kinder miteinander in Beziehung treten - und damit, wie Kinder die Welt verstehen lernen. Diese wiederkehrenden Unterbrechungen beeinflussen nicht nur die emotionale Verfügbarkeit der Eltern, sondern auch die Qualität der Interaktion.
Kinder lernen durch Mimik, Gestik und Sprache soziale Signale zu lesen - eine Fähigkeit, die sich nur durch echte, ungeteilte Aufmerksamkeit und Interaktion entwickelt. Kinder orientieren sich in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung stark an den Reaktionen ihrer Bezugspersonen. Wenn Eltern also beim Spielen oder Sprechen immer wieder auf ihr Smartphone schauen, fehlen dem Kind entscheidende soziale Cues - also Signale wie Augenkontakt, Gesichtsausdruck, Tonfall oder körperliche Zuwendung.
Soziale Cues gehen verloren
Kinder lernen nicht nur durch Worte, sondern durch Blicke, Gesten und Tonfall. Diese sozialen Cues sind die Grundlage für Empathie, Kommunikation und emotionale Intelligenz. Vor allem in den ersten Monaten ist diese Interaktion also von größter Wichtigkeit, denn Kinder entwickeln hier auch eine Bindung zu ihren Bezugspersonen. Ist diese durch das "Handy" blockiert, lernen Kinder unter Umständen nicht, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Das kann dann zum Beispiel zu einer unsicheren Bindung und möglicherweise zu einem mangelnden Spracherwerb führen.
Kinder, die regelmäßig erleben, dass elterliche Aufmerksamkeit geteilt oder abwesend ist, zeigen laut aktueller Forschung häufiger Schwierigkeiten, Emotionen zu erkennen und angemessen zu reagieren, können eine geringere Frustrationstoleranz sowie ein erhöhtes Aufmerksamkeitsbedürfnis (z. B. durch lautes Verhalten, Trotz oder Rückzug) aufweisen. Zudem zeigen sie oft schwächere soziale Kompetenzen im Umgang mit Gleichaltrigen, was langfristig zu Problemen in der Schule und bei Freundschaften führen kann. Denn soziale Intelligenz bildet eine entscheidende Grundlage für Kooperation, Empathie und Konfliktlösung.
Vielen Eltern ist das gar nicht bewusst. Denn Handys und deren Nutzung sind Alltag geworden.
Was kann man tun?
Es gibt viele Möglichkeiten, seine Mediennutzung bewusst und bedacht zu gestalten. So kann man zum Beispiel "handyfreie" Zeiten in der Familie einführen, um die Kommunikation und die Interaktion untereinander zu fördern. Beim gemeinsamen Essen wird sich unterhalten, beim Zubettgehen werden keine Medien (auch kein Fernsehen) genutzt.
Wenn Eltern also bewusst offline gehen, zeigen sie ihren Kindern, wie man präsent ist - im Gespräch, im Spiel, im Moment.
Kinder brauchen Eltern, die hinsehen. Nicht perfekt, aber aufmerksam. Und am besten, indem eigenen Bedürfnisse (nach sozial Kontakten) und auch die Bedürfnisse des Kindes (nach Aufmerksamkeit) gleichwertig befriedigt werden können.
Wie sagte schon Peter Lustig am Ende jeder Sendung? "Abschalten".
Autorin:
Sylvia Dzäbel-Ruck ist Diplom-Psychologin. Seit Januar 2025 unterstützt sie das Team des Kinder - und Jugendärztlichen Dienstes im Kreis-Gesundheitsamt bei der Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen, sowie im Bereich des Kinderschutzes.
Info-Reihe des Gesundheitsamtes
Das Kreis-Gesundheitsamt informiert im Rahmen der Info-Reihe "Gesund im Kreis"aktuell regelmäßig über verschiedene Themen im gesundheitlichen und medizinischen Kontext. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten wertvolle Informationen zu verschiedenen Themen und bekommen zugleich praktische Tipps und Tricks an die Hand, um mit bestimmten Krankheitsbildern umzugehen oder sich präventiv davor zu schützen. Zugleich werden verschiedene Angebote und Dienstleistungen des Kreis-Gesundheitsamtes vorgestellt. Vom Thema Krebs, über die Zahngesundheit bei Kindern, der Influenza, dem Hitzeschutz bis hin zur Notfallversorgung ist vieles mit dabei.