Stadt Hanau

11/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 11/04/2026 07:24

Hanau gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938 - Ökumenische Gedenkveranstaltung am 10. November an der ehemaligen Synagoge in der Nordstraße / Theaterstück „Annes Kampf –[...]

Meldungsdatum: 04.11.2026

Hanau gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938

Ökumenische Gedenkveranstaltung am 10. November an der ehemaligen Synagoge in der Nordstraße / Theaterstück "Annes Kampf - Anne Frank vs. Adolf Hitler" am 9. November

"Die Erinnerung an die Novemberpogrome ist nicht nur ein Blick zurück auf eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Sie ist auch eine Verpflichtung, gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und jede Form von Menschenfeindlichkeit einzutreten", sagt Hanaus Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome 1938. Am Dienstag, 10. November, findet um 17 Uhr eine ökumenische Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die zerstörte Synagoge in der Nordstraße statt.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und in den darauffolgenden Tagen wurden im gesamten Deutschen Reich Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört sowie jüdische Bürgerinnen und Bürger misshandelt, verhaftet und ermordet. Auch in Hanau hinterließen die nationalsozialistischen Novemberpogrome tiefe Spuren. Die Synagoge in der Nordstraße wurde in Brand gesteckt und zerstört. Die Ereignisse markierten eine weitere Eskalation der systematischen Verfolgung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung durch das nationalsozialistische Regime.

Das jährliche Gedenken am historischen Standort der ehemaligen Synagoge soll die Erinnerung an die Opfer wachhalten und zugleich ein Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit setzen. Das Gedenken steht unter dem Leitgedanken "Erinnerung ist Leben", einem Zitat von Charlotte Knobloch. "Die Geschichte der jüdischen Bürgerinnen und Bürger ist untrennbar mit der Geschichte unserer Stadt verbunden. Umso wichtiger ist es, dass wir die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten lebendig halten und sie an die nachfolgenden Generationen weitergeben", erklärt Dr. Bieri. "Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben wieder zunehmend von Anfeindungen und Bedrohungen betroffen ist, müssen wir deutlich machen: Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben."

Die Gedenkveranstaltung beginnt mit einer Begrüßung durch Pfarrer Torben Telder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hanau. Für die musikalische Gestaltung sorgt Sanvi, Schülerin des Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasiums Bruchköbel. Im Anschluss spricht Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri zu den Anwesenden. Schülerinnen und Schüler der Otto-Hahn-Schule Hanau beteiligen sich mit einem kurzen szenischen Beitrag am Programm. Unter dem Leitgedanken "Was bedeutet Gedenken?" setzen sie sich mit der Bedeutung historischer Erinnerung insbesondere für die junge Generation auseinander. Dabei verdeutlichen sie, warum die Beschäftigung mit der Vergangenheit auch heute von Bedeutung ist und welche Verantwortung junge Menschen für eine tolerante und demokratische Gesellschaft tragen.

Auch die Karl-Rehbein-Schule beteiligt sich mit mehreren Projekten am Gedenken. Insgesamt werden rund 220 Schülerinnen und Schüler aus acht Klassen und Kursen aktiv. In den letzten Wochen haben die Schülerinnen und Schülern sich intensiv mit dem Gedenken auseinandergesetzt und werden bereits am Vormittag die Jüdische Gemeinde besuchen und dort ihre Gedanken in das Gedenken einfließen lassen. Unter dem Titel "Steine der Erinnerung - Stimmen der Zukunft" setzen sich drei Kurse mit unterschiedlichen Formen des Gedenkens und deren Bedeutung für die Gegenwart auseinander. Im Mittelpunkt steht ein Puzzle der historischen Ghettomauer in Hanau, das die Schülerinnen und Schüler schrittweise zusammensetzen und mit Postkarten sowie persönlichen Gedanken und Botschaften des Gedenkens versehen. Weitere Kurse beschäftigen sich mit dem Judentum, Christentum und Islam als miteinander verbundenen Religionen sowie dem interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Einen weiteren Beitrag leistet die Eugen-Kaiser-Schule, die eigens für die Gedenkveranstaltung Postkarten druckt. Diese werden an die Teilnehmenden verteilt und bieten ihnen die Möglichkeit, eigene Gedanken, Wünsche und Botschaften zum Gedenken festzuhalten und öffentlich sichtbar zu machen. Eine weitere Ansprache hält Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau. Es folgen die Kranzniederlegung sowie ein Moment der Stille und des Gebets. Den Abschluss bildet das jüdische Gebet "El Male Rachamim" für die Ermordeten des Holocaust, gesprochen von Rabbiner Shimon Großberg.

Anlässlich des Gedenkens an die Opfer der Novemberpogrome werden in Hanau zudem an mehreren öffentlichen Gebäuden und Plätzen die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Die Trauerbeflaggung erfolgt am Rathaus, am Schloss Philippsruhe, am Rochusplatz in Großauheim, am Bürgerhaus Wolfgang, am Sticherplatz in Steinheim, am Heinrich-Fischer-Haus in Mittelbuchen sowie an der Friedrich-Ebert-Schule in Klein-Auheim. Damit setzt die Stadt auch über die zentrale Gedenkveranstaltung hinaus ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Aufgrund der Gedenkveranstaltung ist eine vorübergehende Sperrung der Nordstraße erforderlich. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Einmündung Eberhardstraße/Im Schlosshof und dem Kreisverkehr Nordstraße/Freiheitsplatz. Die Sperrung gilt voraussichtlich am Dienstag, 10. November, von 16.15 bis 19 Uhr. Verkehrsteilnehmende werden gebeten, den betroffenen Bereich während dieser Zeit zu umfahren.

Weitere Veranstaltungen im Zeichen der Erinnerung
Rund um den Jahrestag der Novemberpogrome finden in Hanau weitere Veranstaltungen statt, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Erinnerungskultur beschäftigen.

Bereits am Montag, 9. November, um 20 Uhr wird im Kulturforum Hanau am Freiheitsplatz 18a das Theaterstück "Annes Kampf - Anne Frank vs. Adolf Hitler" aufgeführt. Darin werden Auszüge aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" und dem Tagebuch von Anne Frank gegenübergestellt. Marianne Blum und Thomas Linke präsentieren ausgewählte Textpassagen in einer szenischen Lesung, die durch musikalische Elemente ergänzt wird. Die Aufführung setzt sich mit Nationalsozialismus, Antisemitismus, Verfolgung und der Bedeutung von Erinnerung für die Gegenwart auseinander. Der Eintritt ist frei.

Am Dienstag, 10. November, besteht zudem zwischen 10 und 14 Uhr die Möglichkeit, die Jüdische Gemeinde Hanau in der Wilhelmstraße 11a zu besuchen und dort persönliche Wünsche und Hoffnungen zu hinterlegen.

Pressekontakt: Florian Bauer, [email protected]

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Hanau gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

"Die Erinnerung an die Novemberpogrome ist nicht nur ein Blick zurück auf eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Sie ist auch eine Verpflichtung, gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und jede Form von Menschenfeindlichkeit einzutreten", sagt Hanaus Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome 1938.

Hanau gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Am Dienstag, 10. November, findet um 17 Uhr eine ökumenische Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die zerstörte Synagoge in der Nordstraße statt.

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