01/28/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/28/2026 09:45
28.01.2026 | Bildung
Anne Riecke zu TOP 47 "Gewaltmonitoring (GEMON) im Schuljahr 2024/25" In ihrer Rede zu TOP 47 (Bericht zum Gewaltmonitoring (GEMON) im Schuljahr 2024/25) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:
"Gewalt wird zu einem immer größeren Problem im Alltag unserer Bildungseinrichtungen. Das hören wir von den Lehrern, aber auch den Schülern selbst. Insofern ist es gut, dass wir Portale wie GEMON haben, um unterschiedlichste Fälle von Gewalt an unseren Schulen zu erfassen.
Erschreckend ist dabei nicht nur das Ausmaß, sondern auch, dass die Gewalt auch immer früher, das heißt auch in den unteren Klassenstufen, einsetzt. Mich hat an dem Bericht nämlich besonders erschreckt, dass 44 Prozent der gemeldeten Fälle für die Klassenstufen 1-4 gemeldet worden sind. Es bleibt fast nur zu hoffen, dass es für diese Jahrgangsstufe eine besonders 'meldefreudige' Bereitschaft gab und diese Zahlen auf diese Weise zustande gekommen sind. Denn leider ist es ja nun mal so, dass GEMON unmöglich die Wirklichkeit an unseren Schulen abbilden kann. Das sieht ja selbst die Landesregierung so, die sich im Bericht vorsichtig eingesteht, dass die Datenbank lediglich 'Indikatoren zur Lage bietet' und nicht als 'vollständiges Bild der Lage verstanden werden darf'.
Ich kann das nur vollauf bestätigen. Hier nur ein paar Beispiele für etwas verwunderliche Zahlen:
4 von 5 Schulen, also 80 Prozent geben überhaupt keine Fälle in GEMON an. Dass es also an 80 Prozent unserer Schulen keine Gewaltvorfälle geben soll, kann im Angesicht des Schulalltags kaum jemand glauben. Aus ganz Neumünster gibt es - über alle Schularten hinweg wohlgemerkt - genau einen gemeldeten Fall! Die Zahl der absoluten Fälle ist um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr gesunken, obwohl es in den Vorjahren eine Steigerung von 90 bzw. 200 Prozent gab. Ich hoffe, die Landesregierung verkauft uns die diesjährigen gesunkenen Zahlen nicht als erfolgreiche Trendwende. Es gibt in ganz Schleswig-Holstein genau zwei Fälle, die dem Antisemitismus zugeordnet werden.
Es ist offensichtlich, dass man mit diesen Zahlen nicht arbeiten kann. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Diese Zahlen haben noch nicht einmal eine Indikatorfunktion, so wie es die Landesregierung behauptet.
Es mag dabei ein Fortschritt sein, dass erstmals auch Daten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik mit Tatort Schule ergänzend aufgenommen wurden. Gleichzeitig betont der Bericht zu Recht: PKS und GEMON sind nicht direkt vergleichbar, weil die Schwellen und Definitionen unterschiedlich sind. Unter anderem deshalb brauchen wir eine bessere Qualität der Datenerfassung, um ein realistisches Bild von unseren Schulen beim Thema Gewalt zu kriegen.
Damit GEMON zu einer verlässlichen Quelle der Dokumentation von schulischer Gewalt werden kann, müsste die Plattform grundlegend verbessert werden. Die FDP-Fraktion hatte hierzu auch schon Vorschläge eingebracht. Eines der Hauptprobleme liegt meiner Meinung nach darin, dass die Meldeschwelle für Gewaltvorfälle einfach zu hoch liegt: Es können in GEMON nämlich nur Fälle erfasst werden, die eine Maßnahme nach § 25 (Ausschluss von Schul- oder Unterrichtsveranstaltungen, Überweisung in eine Parallelklasse oder Überweisung in eine andere Schule) oder einen dringenden Ausschluss durch die Schulleitung zur Folge hatten. Werden diese Maßnahmen also nicht eingeleitet, wird auch kein Gewaltvorfall in GEMON erfasst, egal, in welcher Form oder welcher Schwere er erfolgt ist. Das kann meines Erachtens so nicht bleiben. Wir müssen uns also dringend Gedanken darüber machen, wie wir diese Schwellen so absenken, dass es eine viel realistischere Erfassung der Gewalttaten geben kann.
Ein weiterer Hemmschuh bei der Erfassung ist, dass nur die Schulleitungen entsprechende Eintragungen in der Datenbank vornehmen können. Dabei sind es häufig genug die Lehrkräfte, die unmittelbar bei den Vorfällen dabei sind und diese auch entsprechend dokumentieren könnten. Die Schulleitungen haben knappe Ressourcen und oft genug schlicht nicht die Zeit, in GEMON eine lückenlose Dokumentation zu hinterlegen. Wir sollten die Datenbank also auch für Lehrkräfte öffnen, damit diese Eintragungen vornehmen können. Im besten Fall hinreichend für die Schulen anonymisiert, damit daraus keine Diskriminierungen oder 'Problemschul'- Diskussionen abgleitet werden können.
Das Ziel muss sein, alle Beteiligten zu motivieren, möglichste jeden relevanten Vorfall auch zu dokumentieren, damit nichts unter den Tisch fällt. Ich hoffe, dass sich die Landesregierung zu Verbesserungen durchringen kann und wir im nächsten Jahr einen deutlich wirklichkeitsnäheren Bericht vorliegen haben. Dann könnten wir endlich über zielgerichtete Maßnahmen statt über eine mangelnde Erfassung reden."
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort. Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz
Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 [email protected]
FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: [email protected], Internet: www.fdp-fraktion-sh.de