TUM - Technische Universität München

01/27/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/27/2026 04:16

Mehrheit für Kürzung von Sozialausgaben zugunsten Verteidigung

  • 27.1.2026
  • Lesezeit: 2 Min.

Umfrage: Deutsche befürworten Stärkung der Sicherheitspolitik

Mehrheit für Kürzung von Sozialausgaben zugunsten Verteidigung

Die meisten Deutschen befürchten einen militärischen Konflikt zwischen Russland und einem NATO-Mitgliedstaat und sprechen sich für eine Aufstockung der Bundeswehr und eine europäische Armee aus. Dafür will eine Mehrheit den Anteil der Verteidigungsausgaben erhöhen und die Sozialausgaben reduzieren. Dies zeigt eine Umfrage der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Leipzig.

iStockphoto.com / Cineberg
Einen militärischen Konflikt zwischen Russland und einem Mitglied der NATO - hier das Hauptquartier - fürchten die meisten Deutschen.

Einer großen Mehrheit der Deutschen (70 %) ist die Wehrhaftigkeit des Landes wichtig. Nahezu zwei Drittel der Befragten (62 %) befürchtet einen militärischen Konflikt zwischen Russland und einem NATO-Mitgliedstaat. Knapp die Hälfte (42 %) hat große Sorgen, dass es zu einem solchen Konflikt zwischen Deutschland und Russland auf deutschem Gebiet kommt.

Das Forschungsteam fragte deshalb nach konkreten sicherheitspolitischen Maßnahmen. Die größte Zustimmung bekommen die personelle Aufstockung der Bundeswehr (60 %), ein stärkeres staatliches Eingreifen gegen hybride Angriffe Russlands (58 %) und eine gemeinsame europäische Armee (55 %). Eine relative Mehrheit befürwortet die Wiedereinführung der Wehrpflicht (49 % zu 27 % Ablehnung) und einen verpflichtenden Gesellschaftsdienst, etwa im Bevölkerungsschutz (48 % zu 21 %). Keine Mehrheit gibt es dagegen für eine Erhöhung der Militärhilfe für die Ukraine (27 % zu 41 %). Rund zwei Drittel (67 %) wünschen sich eine engere Zusammenarbeit der EU-Staaten in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

"Insgesamt spiegeln die Ergebnisse einen klaren Reformwillen zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands wider und lassen Rückschlüsse auf mehrheitsfähige Verteidigungspolitiken in der Bevölkerung zu", sagt Co-Studienleiter Prof. Sebastian Blesse von der Universität Leipzig.

Lockerung der Schuldenbremse umstritten

Wie viel Geld sollte Deutschland in die Verteidigung stecken? Eine große Mehrheit von 70 Prozent der Befragten spricht sich für mindestens 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Es gibt aber keine absolute Mehrheit, zu diesem Zweck die Schuldenbremse zu lockern.

Sollte stattdessen in anderen Bereichen gespart werden? Das Forschungsteam zeigte den Umfrageteilnehmenden, auf welche Bereiche derzeit wie viel Prozent der öffentlichen Ausgaben verteilt werden. Sie konnten dann jeweils angeben, ob sie die Anteile erhöhen oder verringern wollen. 77 Prozent der Befragten sind für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Auch für mehr Geld für Innere Sicherheit und Öffentliche Ordnung (85 %) sowie Bildung (83 %) gibt es große Zustimmung. Dagegen halten 83 Prozent die Ausgaben für Soziale Sicherung, die den aktuell größten Anteil darstellen, für zu hoch.

"Mehr Geld für Militär wäre noch vor wenigen Jahren nicht mehrheitsfähig gewesen. Wir sehen also einen deutlichen Wandel in den sicherheitspolitischen Einstellungen der Deutschen", sagt Co-Studienleiter Prof. Philipp Lergetporer von der TUM, der als Volkswirt am Campus Heilbronn forscht.

Für die repräsentative Studie wurden von Juli bis September 2025 rund 1.100 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt. Die Befragung wurde online durch das Institut Bilendi durchgeführt.

Publikationen

Sebastian Blesse, Philipp Lergetporer, Clara Pache, Helen Zeidler. Gefahr im Verzug: Was die deutsche Bevölkerung über Russlands militärische Aggression und deutsche Sicherheitspolitik denkt. ifo Schnelldienst, 2026, 79, Nr. 1

Weitere Informationen und Links

Prof. Philipp Lergetporer (TUM School of Management) und Prof. Sebastian Blesse sind am ifo Institut affiliierte Forscher, in dessen Schnelldienst die Umfrage veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts "Politikgestaltung im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Evidenz und öffentlicher Meinung: Experimentelle Studien mit PolitikerInnen". Sie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Technische Universität München

Corporate Communications Center

Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr. Philipp Lergetporer
Technische Universität München (TUM)
Professur für Economics
philipp.lergetporerspam prevention@tum.de

Zurück zur Übersicht Seite drucken

Aktuelles zum Thema

  • 11.2.2025
  • Lesezeit: 4 Min.

Weltweite Umfrage zeigt Ablehnung uneingeschränkter Meinungsfreiheit

Mehrheit für Moderation auf Social-Media-Plattformen

  • Forschung
  • 14.6.2024
  • Lesezeit: 1 Min.

Desinformation zum Krieg vor allem bei Menschen mit Verschwörungsdenken erfolgreich

Wirkung russischer Social-Media-Kampagne geringer als oft angenommen

  • Forschung
  • 16.5.2024
  • Lesezeit: 3 Min.

Häufigkeit dramatischer Todesursachen wird nicht überschätzt

Risikowahrnehmung weniger durch Medien beeinflusst als gedacht

  • Forschung
Vorheriger Slide Nächster Slide
TUM - Technische Universität München published this content on January 27, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 27, 2026 at 10:16 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]