09/18/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/18/2026 05:59
Das Bundeskartellamt hat heute den geplanten Erwerb der Sidra Wasserchemie GmbH, Ibbenbüren, durch den finnischen Anbieter von Wasserchemikalien Kemira Oyj, Helsinki, nach vertiefter wettbewerbsrechtlicher Prüfung freigegeben.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts: "Unsere umfangreichen Ermittlungen haben gezeigt, dass Kemira und Sidra insbesondere bei Eisensalzen in Teilen Deutschlands und teilweise auch in Nachbarländern eine starke Marktstellung erreichen. Es gibt jedoch weiterhin genügend Wettbewerber im In- und Ausland, die die Verhaltensspielräumen der Zusammenschlussbeteiligten auch künftig ausreichend begrenzen werden. Deshalb konnten wir den Zusammenschluss freigeben"
Kemira Oyj ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das von 58 Produktionsstandorten aus chemische Produkte für wasserintensive Industriezweige und für die kommunale Wasser- und Abwasserwirtschaft anbietet. Die inländischen Produktionsstandorte von Kemira für Eisen- und Aluminiumsalze befinden sich in Dormagen und Rheinberg (beide in Nordrhein-Westfalen). Weitere Produktionsstandorte befinden sich unter anderem in Polen und Tschechien.
Sidra ist ein Familienunternehmen, das mit seinen beiden inländischen Produktionsstätten in Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen) und Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) Kunden in Deutschland und den Benelux-Ländern mit bestimmten Wasserchemikalien, nämlich mit Eisensalzen, beliefert. Zudem verfügt Sidra über einen Vertriebsstandort in Belgien.
Eisen- und Aluminiumsalze werden insbesondere bei der Aufbereitung von Trinkwasser und der Reinigung von Abwasser eingesetzt. In Kläranlagen dienen sie unter anderem dazu, Phosphate und weitere Schadstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Die zahlreichen Abnehmer der Wasserchemikalien - insbesondere Wasserversorger und kommunale Kläranlagen - sind auf eine zuverlässige Belieferung angewiesen, um die fortlaufend überprüften Grenzwerte einhalten zu können. Die Kosten für die eingesetzten Wasserchemikalien fließen letztlich auch in die Wasser- und Abwassergebühren ein.
Im Rahmen des Hauptprüfverfahrens hat das Bundeskartellamt umfangreiche Ermittlungen durchgeführt. Neben Umsätzen und Absatzmengen der Anbieter wurden insbesondere die Lieferströme untersucht. Wasserchemikalien wie Eisen- und Aluminiumsalze werden in großen Mengen benötigt und haben im Verhältnis dazu einen vergleichsweise geringen Warenwert. Die Höhe der Transportkosten begrenzt deshalb die wirtschaftlich darstellbaren Lieferentfernungen. Selbst bei günstigen Transportbedingungen werden Metallsalze nur selten über Entfernungen von mehr als 500 Kilometern transportiert.
Die Ermittlungen haben ergeben, dass trotz der starken Stellung von Kemira und Sidra ausreichend Ausweichmöglichkeiten für die Abnehmer bestehen. Neben Anbietern in Deutschland können dabei auch Anbieter aus dem angrenzenden Ausland Wettbewerbsdruck ausüben.
Der Bedarf an Metallsalzen könnte künftig zudem steigen. Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) sieht neben zusätzlichen Anforderungen an die Entfernung von Mikroschadstoffen auch verschärfte Anforderungen an die bisherigen Reinigungsstufen der Abwasserbehandlung vor.