04/19/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/19/2026 04:35
Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde am Sonntag, den 19. April, der Franz-Bobzien-Preis 2026 in der Oranienburger Orangerie verliehen. Gemeinsam hatten die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen den Preis zum inzwischen neunten Mal ausgeschrieben, um Projekte in Brandenburg und Berlin auszuzeichnen, die sich für Demokratie und Toleranz starkmachen und dabei auch die Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Blick haben.
Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen haben die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen am Sonntag, den 19. April, den Franz-Bobzien-Preis 2026 vergeben. Der Preis wurde in der Orangerie unter Beisein zahlreicher Partner und Jurymitglieder, Gäste aus der Politik sowie Vertreterinnen und Vertreter von Projekten, die sich beworben hatten, zum inzwischen neunten Mal vergeben. Er würdigt Projekte, die sich für eine demokratische und tolerante Gesellschaft starkmachen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und die Frage, wie gesellschaftliche Verantwortung heute gelebt werden kann. Mehr als 60 Bewerbungen - ein neuer Rekord - waren dieses Mal aus ganz Brandenburg und Berlin eingegangen.
Eine besondere Entscheidung traf die 12-köpfige Jury in diesem Jahr: Aufgrund der herausragenden Vielzahl und Qualität der Projekte wurde der Franz-Bobzien-Preis zum ersten Mal zweimal vergeben - zum einen an das Projekt "Demokratie erfordert Engagement - Tu was!" unter Federführung des care4democracy e.V. aus Falkensee sowie an das Projekt "Spurensicherung" des Arbeitskreises "Zwangsarbeit Gedenken" aus Ludwigsfelde. Der noch junge, überparteiliche Verein aus Falkensee setzt bewusst auf niedrigschwellige Formate, um über die Geschichte des Faschismus aufzuklären und demokratische Werte zu fördern. Dafür organisiert er regelmäßig Lesungen, Filmabende, Diskussionsveranstaltungen und Kunstaktionen, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander sowie mit geladenen Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen. Entstanden war der Verein als Reaktion auf zunehmende, demokratiefeindliche Tendenzen und eine wachsende rechtsextreme Szene in der Stadt. Das Projekt "Spurensicherung" macht die fast vergessene Geschichte eines ehemaligen KZ-Außenlagers des NS-Rüstungssystems in Ludwigsfelde sichtbar. Mehr als zehntausend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden dort während der NS-Zeit in der Flugzeugmotorenproduktion eingesetzt. In der Stadt erinnert heute kaum noch etwas daran. Mit Gedenkspaziergängen, Diskussionsveranstaltungen, Filmvorführungen sowie einer Website mit interaktiver Karte möchte der Arbeitskreis die verschütteten Spuren wieder freilegen. Die Auszeichnung der beiden Projekte nahm in Vertretung des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, als Schirmherr des Franz-Bobzien-Preises, Staatssekretär Dr. Johannes Wagner aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor. Die Projekte teilen sich das Preisgeld von 5000 Euro. "Beide Projekte machen auf ihre Weise deutlich, dass Demokratie und Toleranz nicht nur große, hehre Worte sind, sondern dass die Werte, für die sie stehen - Menschlichkeit Respekt, Freiheit, Teilhabe und die Achtung von Menschenrechten - tagtäglich in Brandenburg von engagierten Menschen mit Leben erfüllt werden", würdigte der Staatssekretär die beiden Gewinnerprojekte in seiner Ansprache.
Der zweite Platz geht in diesem Jahr an das Projekt "Lieder aus Sachsenhausen I - #NieWiederIstJetzt" des Chorverbands Berlin e.V. Ein Projektchor sammelte Lieder, die im Konzentrationslager Sachsenhausen entstanden waren, arrangierte sie neu und brachte sie zur Aufführung. Eine begleitende Broschüre stellt die musikalischen Arrangements Chören und Bildungseinrichtungen dauerhaft zur Verfügung. Die Verbindung von Musik, Gedenken und Bildungsarbeit überzeugte die Jury ebenso wie die nachhaltige Wirkung des Projekts.
Mit dem dritten Platz wurde die Jugendgeschichtsrallye "Meet & Speed" des Vereins für Jugendhilfe und Sozialarbeit e.V. ausgezeichnet. In Teams besuchen junge Menschen dabei Erinnerungsorte in Brandenburg, Sachsen und Polen. Bewegung, digitale Elemente und interaktive Aufgaben verbinden sich mit intensiver historischer Auseinandersetzung − ein Format, das Wissen, Teamarbeit und Selbstwirksamkeit gleichermaßen fördert. Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten einen Wochenend- bzw. Tagesaufenthalt in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen "Haus Szczypiorski", der vom Deutschen Jugendherbergswerk gesponsert wird.
"Die Verteidigung demokratischer Werte und der kritische Blick auf die eigene Geschichte gehören in Zeiten wiedererstarkender autoritärer Ideen zu den wichtigsten Aufgaben der Zivilgesellschaft. Genau hier setzt der Franz-Bobzien-Preis, den wir alle zwei Jahren verleihen, an", so Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder. "Viele der eingereichten Bewerbungen haben uns sehr beeindruckt. Sie zeigen, wie lebendig und wirksam Erinnerungsarbeit heute sein kann und machen deutlich, wie sehr es Menschen braucht, die ihre Stimmen äußern und aktiv werden, wenn unsere demokratischen Werte unter Druck geraten."
Prof. Dr. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, sagte: "Auch 81 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kann die Auseinandersetzung mit der Diktatur und ihren Verbrechen Impulsgeber sein für unsere freiheitliche Demokratie und unsere offene, vielfältige Gesellschaft. Das gilt insbesondere, wenn diese Auseinandersetzung auf so beherzte, kreative und konkrete Weise geschieht wie bei den diesjährigen Franz-Bobzien-Preisträgern, denen ich zu dieser Auszeichnung herzlich gratuliere. Impulsgeber sind aber auch die vielen anderen eingereichten Projekte und die Menschen, die sie tragen. Ihnen allen gilt mein großer Dank, denn ihr meist ehrenamtliches Engagement ist heute notwendiger denn je."
Die in diesem Jahr ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für eine Haltung, die auch Franz Bobzien selbst verkörperte: Verantwortung übernehmen, nicht schweigen, sich einmischen. Dass sich sein Geburtstag in diesem Jahr zum 120. Mal und sein Todestag zum 85. Mal jährt, verlieh der Preisverleihung eine besondere Bedeutung. Mit der Benennung des Preises nach Franz Bobzien soll dessen mutiger Einsatz unter äußerst gefährlichen Bedingungen gewürdigt werden. Der Lehrer und Politiker Franz Bobzien war ab 1938 aufgrund seines Widerstands gegen das NS-Regime im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Hier engagierte er sich unter schwierigsten Bedingungen vor allem für jugendliche Mitgefangene. Am 28. März 1941 kam er bei Bombenräumungsarbeiten in Berlin ums Leben.
In der Jury zur Vergabe des Franz-Bobzien-Preises sind neben der Stadt Oranienburg (vertreten durch die Bürgermeisterin sowie den Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung) und der Gedenkstätte Sachsenhausen als Partner vertreten: Der Tagesspiegel als Medienpartner, die Ur-Nichte von Franz Bobzien, der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg (DGB), das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus Brandenburg, die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, der Berliner Ratschlag für Demokratie, das Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V., die AG Lager Sachsenhausen 1945-50 e.V. sowie das Tolerante Brandenburg. Schirmherr ist der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Dr. Dietmar Woidke.