Stadt Herne

01/28/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/28/2026 10:00

Sichtbares Gedenken: Erste Herner Stolpersteine verlegt

Meldung vom 28. Januar 2026

Sichtbares Gedenken: Erste Herner Stolpersteine verlegt

Im Beisein von Nachfahren der Familie Hecht, der die ersten Herner Stolpersteine gewidmet sind, verlegte der Kölner Künstler und Initiator der Stolpersteine als praktischer Erinnerungsarbeit, Gunther Demnig, am Mittwoch, 28. Januar 2026, die ersten dieser kleinen, doch nicht zu übersehenden Gedenksteine in Herne. Sie erinnern künftig dort, wo die Familie Hecht einst in Wanne-Mitte auf der Bahnhofstraße, Ecke Mozartstraße lebte, an deren Schicksal.

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda dankte in seiner Ansprache nicht nur den anwesenden Vertreter*innen des Herner Stadtrats, die mit einem entsprechenden Antrag den Impuls gegeben hatten, auch in Herne Stolpersteine zu Ehren von Verfolgten und Opfern des NS-Regimes zu verlegen: "Ich danke auch Gunter Demnig, der dieses Projekt vor über 30 Jahren ins Lebens gerufen hat und der die Stolpersteine heute hier persönlich verlegt."

An der feierlichen Verlegung der Gedenksteine nahmen mit Diane Mossenson und ihrer Tochter Talya auch Verwandte der Familie Hecht teil, die dafür eigens aus dem australischen Perth angereist waren: "In den frühen 1930er Jahren erschienen in den Zeitungen in Wanne-Eickel antisemitische Artikel, die sich auf meinen Großvater Chaim Hecht bezogen. Chaim besaß ein großes Kaufhaus auf der Mozartstraße, wo er Möbel und Haushaltswaren verkaufte. Während der Reichspogromnacht wurde das Geschäft vollständig geplündert. Chaim wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Meiner Mutter gelang es, Papiere zu beschaffen, die es meinem Großvater ermöglicht hätten, in ein anderes Land zu emigrieren. Trotz wiederholter Bemühungen wurde mein Großvater nicht freigelassen. Chaim war von 1938 bis Oktober 1942 in Sachsenhausen inhaftiert, bevor er nach Auschwitz verlegt wurde. Dort starb er kurz darauf", schilderte Diane Mossenson. Aron Naor, Kantor der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, sprach im Rahmen der Zeremonie ein Gebet.

Die Verlegung der Stolpersteine ist gerade in Zeiten, in denen die gegenwärtige Demokratie und ihre Werte von Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz im Umgang miteinander massiven Anfeindungen ausgesetzt ist, ein wichtiger Impuls, um die buchstäblich mörderischen Folgen von Hass, Ausgrenzung, Intoleranz und Verfolgung im Alltag sichtbar zu machen: "Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht nur abstrakt erinnern, sondern konkret. Dass wir Namen nennen. Lebensgeschichten erzählen. Orte sichtbar machen und Opfern einen Namen und ein Gesicht geben. Denn es waren Menschen aus unserer Mitte - unsere Nachbarinnen und Nachbarn", mahnte Frank Dudda.

Zugleich appellierte der Oberbürgermeister an die heutigen Zeitgenoss*innen, sich aktiv für die Bewahrung unseres demokratischen Gemeinwesens einzusetzen: "Demokratie lebt von Beteiligung, von Widerspruch, von Respekt. Sie lebt davon, dass Menschen nicht wegsehen, wenn andere angegriffen oder ausgegrenzt werden. Es ist unser aller Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Dabei hilft nicht Schweigen, sondern es braucht Haltung."

Die weiteren Termine für die Verlegung von Stolpersteinen in Herne sind:

  • Dienstag, 17. Februar 2026, 15 Uhr, an der Bahnhofstraße 29a: Verlegung zu Ehren von Frieda und Sally Neugarten, die Opfer der Shoah wurden.
  • Samstag, 21. Februar 2026, 11 Uhr, Bruchstraße 136: Verlegung zu Ehren von Emma Schlewitz, die den Euthanasie-Morden des NS-Regimes zum Opfer fiel.
  • Samstag, 21. Februar 2026, 12 Uhr, Altenhöfener Straße 47: Verlegung zu Ehren von Wilhelmine und August Schuster, die als Mitglieder des Arbeiterwiderstands verfolgt und ermordet wurden.
  • Montag, 23. Februar 2026, 10:30 Uhr, Düngelstraße 58: Verlegung zu Ehren von Helene und Friedrich Gotthold, die wegen ihrer religiösen Überzeugungen verfolgt und ermordet wurden.
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
  • Impressionen von der Verlegung der Stolpersteine. Foto: Thomas Schmidt/Stadt Herne
Stadt Herne published this content on January 28, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 28, 2026 at 16:01 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]