04/01/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/01/2026 01:02
NASA / Bill Ingalls
NASA
Mit der NASA-Mission Artemis II brechen erstmals nach fast 55 Jahren wieder Menschen Richtung Mond auf. Nach Verzögerungen im Februar und März öffnet sich nun das Startfenster für Artemis II erneut. Aktuell geplant ist der Launch für 2. April 2026 ab 0:24 Uhr MESZ (1. April, 18:24 Uhr US-amerikanischer Zeit am Kennedy Space Center). Es wird der erste Einsatz des Orion-Raumschiffs mit einer vierköpfigen Besatzung an Bord. Geplant ist, dass die Crew den Erdtrabanten umrundet und nach zehn Tagen zur Erde zurückkehrt. Deutschland und Europa sind gleich mit mehreren Komponenten und Technologien an Bord. So werden vier Strahlungsdetektoren M-42 EXT (extended) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erneut die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond messen - dieses Mal in einer noch genaueren Auflösung als beim Artemis-I-Flug Ende 2022. Das Europäische Servicemodul, kurz ESM, befördert auf dieser Mission nun erstmals Menschen in den Weltraum. Und mit TACHELES macht sich ein Kleinsatellitendemonstrator aus Deutschland auf den Weg zum Mond, um in dessen Umlaufbahn abgesetzt zu werden. Die Deutschen Raumfahrtagentur im DLR hat den CubeSat ausgewählt.
"Nach dem erfolgreichen Flug des Strahlungsexperiments MARE auf Artemis I freue ich mich, dass wir mit der neuen Mission den bislang einzigartigen Datensatz zur Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond ausbauen können. Mit weiter entwickelten Dosimetern, dem Sensor M-42 EXT, werden wir noch detailliertere Messdaten erhalten. Damit führen wir Experimente erfolgreich fort, die wir vor mehr als 20 Jahren auf der ISS begonnen haben", sagt Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. "Um auch auf die Zukunft der robotischen und astronautischen Exploration vorbereitet zu sein, beginnen wir aktuell mit dem Aufbau des Human Exploration Control Center HECC an unserem Standort in Oberpfaffenhofen. Durch konsequenten Wissensaustausch und Technologietransfer ist es uns gelungen, Kompetenzen aufzubauen, mit denen wir anerkannter internationaler Partner sind, aber auch die technologische Souveränität Deutschlands stärken."
"Deutschland ist bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond ganz vorne mit dabei", ergänzt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR. "Wir freuen uns sehr, dass mit dem in Bremen gebauten ESM erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein nicht-US-amerikanisches System Astronautinnen und Astronauten Richtung Mond transportiert. Für die Orion-Kapsel hat außerdem die deutsche Industrie Sensoren zur Navigation im Weltraum bereitgestellt. Zudem fliegt auf der Mission ein Kleinsatellit eines deutschen Startups mit, der Technologie für einen kostengünstigen Zugang zur Nutzung der Mondoberfläche erschließen sowie den Einfluss der Weltraumstrahlung auf Raumfahrzeuge testen soll. Das stärkt den Raumfahrtstandort Deutschland in Technologie und Wissenschaft nachhaltig."
Flug zum Mond - Leben und Arbeiten auf neun Kubikmetern, wie geht das? Volker Schmid, ehemaliger DLR-Missionsleiter von Blue Dot, horizons und Cosmic Kiss, gibt die Antwort.
Für die Wiedergabe dieses Videos auf Youtube.com ist Ihre Zustimmung zur Speicherung von Daten ('Cookies') erforderlich. Unter Datenschutz-Einstellungen können Sie Ihre Wahl einsehen und verändern.
Zustimmen und Video anzeigen©DLR/NASA
NASA-Administrator Jared Isaacman: "Artemis II ist ein wichtiger Schritt für die Rückkehr der Menschheit in die Tiefen des Weltraums und die NASA ist stolz darauf, bei dieser Mission von unseren internationalen Partnern unterstützt zu werden. Die deutschen Beiträge zum Europäischen Servicemodul, zusammen mit den M-42-EXT-Strahlungsdetektoren und dem CubeSat TACHELES, spiegeln die Bandbreite der internationalen Elemente wider, die Artemis II unterstützen. Gemeinsam tragen diese Bemühungen zu den Daten und Erfahrungen bei, die für die nachhaltige Erforschung des Mondes durch den Menschen und für künftige Missionen zum Mars benötigt werden."
Die Orion-Besatzung besteht aus Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch aus den USA sowie Jeremy Hansen aus Kanada. Der Fokus des vom Kennedy Space Center in Florida startenden zweiten Testflugs des Artemis-Programms liegt für die NASA unter anderem auf der Validierung aller Lebenserhaltungssysteme im tiefen Weltraum, um den Weg für die für das Jahr 2028 geplante Mondlandung mit Artemis IV zu ebnen. Sollte sich der Start von Artemis II verschieben, gibt es weitere Startmöglichkeiten im April 2026.
Wenn die Menschheit nach über fünf Jahrzehnten wieder zum Mond aufbricht, wird zum ersten Mal eine Crew von einem System, das nicht vollständig aus den USA stammt, auf diese Reise geschickt. Denn bei ihren Artemis-Missionen greift die NASA erstmalig bei einer kritischen Komponente für astronautische Flüge auf internationale Partner zurück. Die Antriebs- und Versorgungseinheit der Crewkapsel, das sogenannte European Service Module (ESM), wurde unter der industriellen Führung von Airbus Defence and Space in Bremen entwickelt und wird dort auch montiert. Komponenten aus elf europäischen Ländern sowie den USA werden dafür in die Hansestadt geliefert und zu einem einzigartigen Raumfahrzeug integriert. Dass sich die NASA hier auf ein europäisches System verlässt, ist ein enormer Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit der europäischen Raumfahrt. Unter den ESA-Mitgliedsstaaten ist Deutschland der wichtigste Partner im ESM-Projekt. Der deutsche Anteil am ESM-Programm beträgt rund 50 Prozent und wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR gesteuert.
Das Artemis-Crew-Raumschiff Orion, auch Multi Purpose Crew Vehicle (MPCV) genannt, besteht aus zwei Teilen: der US-amerikanischen Crewkapsel und dem darunter sitzenden, zylinderförmigen Servicemodul ESM-2, der Nachfolgeversion des ESM-1, das Ende 2022 noch eine menschenleere Orion-Kapsel zum Mond brachte. Hier sitzt das Haupttriebwerk für den Anflug zum Mond. Vier Solarpaneele liefern den Strom für das Raumschiff. Die ESM-Klimasysteme regulieren die Temperatur für Crew und Fracht. Außerdem lagern im ESM der Treibstoff sowie die Sauerstoff- und Wasservorräte für die Besatzung. Voll beladen wiegt das ESM beim Start gut 15 Tonnen. Nachdem sich das Orion-Raumschiff von der Oberstufe der Trägerrakete SLS (Space Launch System) im Erdorbit trennt, zündet das ESM-Haupttriebwerk, um das Raumschiff Richtung Mond zu beschleunigen. Am Ende der Mission trennen sich die Orion-Crewkapsel und das ESM kurz vor der Ankunft an der Erde. Während die Crewkapsel in die Erdatmosphäre eindringt und anschließend an Fallschirmen im Pazifik landet, verglüht das ESM in der Erdatmosphäre.
Ein Dosimeter misst die Strahlenbelastung durch schwere Ionen - diese gelten als besonders gefährlich für den menschlichen Körper und sind damit eine der größten Herausforderungen für astronautische Langzeitmissionen. Den Strahlungsdetektor M-42 hat das Team der Strahlenbiologie am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln nach dem erfolgreichen Einsatz auf der Artemis-I-Mission insbesondere bezüglich der Messelektronik weiterentwickelt. Außerdem verfügt das neue Gerät M-42 EXT über einen Ein-/Ausschalter und die Batterie ist für die Energieversorgung nochmals optimiert worden. Insgesamt konzipierte, baute, kalibrierte und testete das DLR-Team einen Satz von acht baugleichen Dosimetern; vier Flugeinheiten sowie vier weitere als Backups, sollten vor dem Missionsstart technische Probleme mit einem oder mehreren Flugeinheiten entstehen. Das Team des Instituts reiste Ende Januar nach Florida zum Kennedy Space Center, testete ein letztes Mal alles durch und übergab das Set am 2. Februar 2026 schließlich an die NASA.
Das Besondere bei diesem Artemis-Mondflug: Die Sensoren befinden sich beim Start noch in einer Cargo-Transfer-Tasche an Bord verstaut. Erst danach werden sie im Raumflug von der Crew eingeschaltet und an den Messpositionen mit Klettverschlüssen angebracht. Ausgewählt wurden dazu im Vorfeld vier Stellen im Raumschiff, die unterschiedlich gegen Strahlung abgeschirmt sind. So lässt sich ein räumliches Bild von der Strahlungssituation innerhalb der Raumkapsel während des Fluges gewinnen.
Dr. Thomas Berger, Leiter der Strahlenbiologie am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin und Projektleiter der DLR-Strahlungsexperimente auf den Mondflügen von Artemis I und II: "Der Erfolg unseres MARE-Projekts bei der Artemis-I-Mission hat gezeigt, dass das Konzept eines kleinen und vielfältig anwendbaren Detektorsystems gut funktioniert. Mit dem neuen Sensor M-42 EXT haben wir die Möglichkeit, die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond erneut zu messen - jetzt dank eines deutlich größeren Messbereichs noch viel genauer. Wir erwarten einen Datensatz, der einen um den Faktor sechs erhöhten Energiemessbereich umfasst. Das wird unsere Daten aus MARE um wertvolle weitere Messergebnisse ergänzen. Für alle Kolleginnen und Kollegen, die an unserem wissenschaftlichen Beitrag zur Artemis-II-Mission gearbeitet haben, geht eine intensive und ereignisreiche Zeit zu Ende. Wir freuen uns alle sehr, wieder auf Orion mitfliegen zu können und erwarten gespannt die neuen Daten."
|
Hintergrundinfo: Evolution der Weltraumstrahlungsforschung am DLR |
|
Die Strahlungsbelastung im Weltraum und das damit verbundene erhöhte Krebsrisiko beziehungsweise die Gefahr der akuten Strahlenkrankheit durch solare Teilchenereignisse gehören zu den größten Herausforderungen für Langzeitmissionen von Menschen jenseits des erdnahen Orbits. Darum ist die Strahlungsmessung bereits seit Beginn des Raumfahrtzeitalters fester Teil von Weltraummissionen. Genutzt werden sowohl passive Detektorsysteme als auch aktive Geräte. Für Weltraumanwendungen werden derzeit hauptsächlich Detektoren auf Siliziumbasis verwendet. DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin am Standort in Köln forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet. Der M-42 EXT ist die neueste Version der M-42-Detektorfamilie. Zuvor startete schon das Siliziumdetektor-Teleskop RAMIS (Radiation Measurements In Space) im Dezember 2018 an Bord der DLR-Mission Eu:CROPIS in den Weltraum. Über 2.500 Tage lang sammelt RAMIS nun schon erfolgreich Daten der sehr komplexen Strahlungsumgebung auf der polaren Umlaufbahn des Satelliten in einer Flughöhe von etwa 600 Kilometern. Mit der M-42-Systemfamilie entwickelte das DLR-Team der Strahlenbiologie ein flexibles, vielseitig einsetzbares, kleines und leichtes Instrument mit sehr geringem Stromverbrauch. Seit der ersten Generation hat das System bereits mehrere Aktualisierungen erfahren. Auf MAPHEUS®-Höhenforschungsraketen erreichten die DLR-Detektoren für Testläufe zum ersten Mal den Weltraum, wenn auch nur für Minuten. Ende 2022 kamen sie dann beim Mondflug der Mission Artemis I im Rahmen des Matroshka AstroRad Radiation Experiment (MARE) erfolgreich zu ihrem ersten wissenschaftlichen Einsatz. Die 16 M-42-Instrumente sammelten auf der 25,5 Tage dauernden Mondumrundung erstmals einen homogenen Datensatz der Strahlungssituation jenseits der Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS. Die ersten Erkenntnisse aus der Artemis-I-Mission dazu sind bereits ausgewertet und veröffentlicht worden. Die Ergebnisse zu den Unterschieden der Strahlungsdosis bei den beiden DLR-Messphantomen Helga und Zohar aus dem MARE-Projekt und zu der Wirkung der AstroRad-Schutzweste werden in Kürze veröffentlicht. Weitere Studien werden folgen. |
Mit an Bord von Artemis II wird ein deutscher Kleinsatellit sein, der von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ausgewählt und finanziell unterstützt wurde. Der TACHELES-CubeSat der Firma Neurospace aus Berlin wurde am 16. September 2025 an die NASA übergeben und wenig später in den Stufenseparationsadapter (OSA) des Orion-Raumschiffs integriert. Der Kleinsatellit wird am Mond freigesetzt und in eine eigenständige Umlaufbahn gebracht, bevor die Orion ihren Weg zur Umrundung des Mondes einschlägt. TACHELES soll voraussichtlich zwei Jahre lang im Orbit bleiben und Daten zur Erde übertragen. Diese dienen dem Berliner Startup zur Weiterentwicklung ihres Rover-Systems.
Mit TACHELES sollen die elektrischen Komponenten des zukünftigen Rovers im All getestet werden. Hierbei wird insbesondere der Einfluss der Weltraumstrahlung beim Passieren der beiden Strahlungsgürtel der Erde - der sogenannten Van-Allen-Gürtel - als besonders kritisch für solche Systeme eingestuft. Der Flug auf Artemis II bietet die einmalige Möglichkeit, Daten über die Strahlungsgürtel und deren Auswirkung auf die Elektronik des CubeSats zu sammeln. Diese Informationen sollen auch der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen. So ist zum Beispiel das Experiment SELDOM (Single Event Latchup Detection On Moon) von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) mit an Bord des deutschen Kleinsatelliten. Sie testen eine Technologie, die Raumfahrtelektronik vor plötzlichen Störungen durch Weltraumstrahlung schützen kann.
Im Vorfeld der Mondmission Artemis II hat die NASA weltweit Teilnehmende ausgewählt, die das Orion-Raumschiff während seines Fluges um den Mond von der Erde aus verfolgen. Insgesamt wurden 34 internationale Partner und Freiwillige benannt, die mit eigenen Antennen zur Bahnverfolgung beitragen und damit die globale Einbindung in diese historische Mission stärken. Das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des DLR unterstützt diese Initiative mit der Antennenbodenstation in Weilheim: Die 15-Meter-Antenne wird Signale des Raumfahrzeugs empfangen und damit zur präzisen Verfolgung der Flugbahn sowie zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich Kommunikationssysteme für die Raumfahrt beitragen.
Die Augmented-Reality-App "DLR Artemis-Mission" ermöglicht es allen Interessierten, das Raumschiff Orion und die verschiedenen Missionen im Artemis-Programm im heimischen Wohnzimmer, am Schreibtisch oder im Kinderzimmer näher kennenzulernen. "Augmented Reality" bedeutet "erweiterte Realität", sodass es die App auf Smartphones und Tablets beispielsweise ermöglicht, das DLR-Strahlenexperiment MARE des ersten Orion-Flugs 2022 sowie das Europäische Servicemodul ESM detaillierter kennenzulernen.
Die App stellt die Funktion des ESM als "Kraftwerk des Orion-Raumschiffs" vor, den Antrieb, die Flugregelung und -steuerung oder auch die Struktur zum Schutz vor Vibrationen, Mikrometeoriten und Weltraumschrott. Man lernt etwas über die Verbrauchsstoffe vom Treibstoff über Wasser bis zum Sauerstoff für die Versorgung von astronautischen Raumflügen bis 20 Flugtage. Auch Informationen zur Stromversorgung und Solarpaneele, die thermische Steuerung oder auch den Hitzeschutzschild für den Wiedereintritt in die Atmosphäre der Erde werden verständlich dargestellt. Und spannend ist es nicht zuletzt, die Flugbahnen der Artemis-Missionen I bis IV mit dem eigenen Smartphone "abzufliegen".