Swiis Federal Institute of Technology Zürich

09/17/2026 | News release | Distributed by Public on 09/18/2026 00:14

Bruno Studer, wann kommen in der Schweiz trockentolerante CRISPR-Nutzpflanzen auf den Acker

Seit wenigen Jahren werden Pflanzen mit neuen Werkzeugen wie CRISPR-Cas «editiert» und so ganz gezielt Mutationen erzeugt. Damit können Züchtungsforschende oder Züchtende ein Gen durch Veränderungen einzelner DNA-Bausteine gezielt ausschalten oder reparieren. Solche Veränderungen können auch natürlicherweise entstehen oder durch konventionelle Mutagenese hervorgerufen werden. Somit lässt sich am Endprodukt technisch nicht mehr eindeutig feststellen, wie die Veränderung entstanden ist. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine Regulierung, welche die angewandte Methode in den Vordergrund stellt, noch zeitgemäss ist.

Die Europäische Union hat darauf reagiert und im Juni dieses Jahres neue Regeln in Kraft gesetzt. Sie unterscheidet zwischen NGT1-Pflanzen, deren genetische Veränderungen auch natürlich oder durch konventionelle Züchtung hätten entstehen können, und NGT2-Pflanzen mit weitergehenden genetischen Veränderungen. Entscheidend ist nicht mehr nur das Werkzeug, sondern das Ergebnis. Das ist sehr pragmatisch.

Die Schweiz hat hier eine Chance verpasst. Zwar hat das Parlament bereits 2022 eine Revision der Gesetzgebung angestossen. Der 2025 in die Vernehmlassung geschickte Entwurf sieht jedoch im Vergleich zur EU-Gesetzgebung zusätzliche Kontroll- und Bewilligungsverfahren sowie Kennzeichnungspflichten vor. Diese zusätzlichen Hürden würden die Schweiz nicht nur gegenüber der EU benachteiligen, sondern vor allem KMU treffen, die sich im Gegensatz zu Grossunternehmen aufwändige und teure Zulassungsverfahren oft kaum leisten können und im Handel mit der EU mit zusätzlichen Kontroll- und Nachweispflichten konfrontiert wären.

Aktueller könnte diese Debatte kaum sein. Der heisse und trockene Sommer hat deutlich gezeigt, wie stark der Klimawandel die Landwirtschaft unter Druck setzen kann. Wir brauchen robuste Kulturpflanzen und angepasste Sorten. Dafür sind neben der klassischen Züchtung auch neue Ansätze gefragt. Auch wenn es keine einzelne Lösung für die Herausforderungen des Klimawandels gibt, kann die Genomeditierung einen wichtigen Beitrag leisten. Sie ermöglicht, Sorten traditioneller Kulturarten gezielter an bestimmte Umweltbedingungen anzupassen und bisher wenig genutzte, trockenheitsverträgliche Kulturpflanzen wie Buchweizen oder Hirse rascher für die Schweizer Landwirtschaft nutzbar zu machen. Mehr Vielfalt auf dem Acker bedeutet weniger Risiko: Fällt eine Kultur unter Trockenstress aus, kann eine andere besser damit umgehen. Diese Diversifizierung stärkt die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft und unseres Ernährungssystems.

Die Schweiz sollte deshalb möglichst rasch Klarheit schaffen und ihre Regulierung mit jener der EU abstimmen. Als kleines Land mit engen Verflechtungen zu den europäischen Agrar- und Lebensmittelmärkten kann sie sich regulatorische Sonderwege kaum leisten. Je stärker die gesetzlichen Grundlagen voneinander abweichen, desto grösser werden der bürokratische Aufwand, die regulatorischen Kosten und die Hürden für den Austausch von Pflanzenmaterial.

Bis dahin sollten wir die Zeit nutzen, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Gelingt dies, kann auch die Schweiz die Chancen neuer genomischer Techniken bald pragmatisch und verantwortungsvoll nutzen.

Swiis Federal Institute of Technology Zürich published this content on September 17, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on September 18, 2026 at 06:14 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]