02/26/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/26/2026 01:15
Kopenhagen, 26. Februar 2026
WHO/Europa hat heute zehn neue Faktenblätter zum Thema Tabakkonsum veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass die Europäische Region, die 53 Länder in Europa und Zentralasien umfasst, auf bestem Weg ist, bis 2030 die weltweit höchste Prävalenz des Tabakkonsums zu verzeichnen, wobei die Trends bei Frauen und jungen Menschen besonders besorgniserregend sind.
In den Faktenblättern, die sich auf die neuesten Daten aus dem 10. Bericht der WHO über die globale Tabakepidemie stützen, wird geschildert, wie die Länder der Europäischen Region wesentliche Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums umsetzen. Sie zeichnen ein Bild von soliden Grundlagen, aber auch von schwerwiegenden Defiziten - und einer sich schnell entwickelnden Landschaft des Nikotinkonsums, mit der die bestehenden Vorschriften nur schwer Schritt halten können.
"Der Tabakkonsum verursacht in der Europäischen Region bereits jetzt jedes Jahr mehr als 1,1 Millionen Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten, und ohne beschleunigte Maßnahmen werden wir auch 2030 die am schlechtesten abschneidende Region weltweit bleiben", erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Es ist unsere Pflicht, den Kurs jetzt zu ändern und junge Menschen vor der Nikotinsucht zu schützen, die Einmischung der Industrie in die Gesundheitspolitik zu unterbinden und die Vorschriften durchzusetzen, die lebenslange vermeidbare Schäden verhindern."
Europa ist die einzige Region der WHO, die das globale Ziel einer Reduzierung des Tabakkonsums um 30 % bis 2025 für Frauen voraussichtlich verfehlen wird. Nach aktuellen Prognosen wird zwischen 2010 und 2025 lediglich eine Reduzierung um 12 % erreicht.
Das Ausmaß des Problems ist frappierend. Über 40 % der erwachsenen Raucherinnen weltweit - 62 Mio. Frauen - leben in der Europäischen Region. Die Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen in der Europäischen Region weist inzwischen die höchste Prävalenz des Tabakkonsums unter Mädchen weltweit auf.
In der Europäischen Region konsumieren rund 4 Mio. Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren Tabakprodukte. Am akutesten ist jedoch der Trend zu E-Zigaretten: So haben in der Europäischen Region Jugendliche in der Altersgruppe von 13 bis 15 Jahren mit 14,3 % die höchste durchschnittliche Prävalenz des E-Zigarettenkonsums weltweit, wobei die Raten bei Jungen und Mädchen fast gleich sind.
"Europäische Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren weisen heute weltweit die höchsten Tabakkonsumraten in ihrer Altersgruppe auf", fügt Dr. Kluge hinzu. "Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Strategie der Industrie, die mit aromatisierten Produkten und ausgeklügelten Vermarktungskampagnen in den sozialen Medien gezielt junge Menschen anspricht. Länder wie Belgien, Dänemark und die Niederlande haben bewiesen, dass es möglich ist, sich zu wehren - durch Regulierung neuartiger Produkte, das Verbot von Aromen und die Einschränkung der Werbung. Jedes Land in dieser Region sollte diesem Beispiel folgen, um künftige Generationen zu schützen."
Unter den Erwachsenen weist die Europäische Region mit geschätzt 31,4 Mio. Nutzern die weltweit zweithöchste Prävalenz des Konsums von E-Zigaretten auf.
"Wenn die Politik nicht mit den sich rasch verändernden Nikotinprodukten Schritt hält, sind jahrzehntelange Fortschritte in Gefahr", sagt Kristina Mauer-Stender, Regionalbeauftragte für Tabakbekämpfung bei WHO/Europa. "Die Anwendung der gleichen wirksamen Instrumente zur Eindämmung des Tabakkonsums auf neue und neu aufkommende Produkte ist unbedingt notwendig, wenn wir junge Menschen schützen und die Erfolge beim Schutz der öffentlichen Gesundheit aufrechterhalten wollen."
Aus den Faktenblättern geht hervor, dass die meisten Länder der Europäischen Region zwar über strenge Kontrollsysteme für den Tabakkonsum verfügen und große gesundheitliche Warnhinweise auf Verpackungen vorschreiben, dass jedoch die Einführung anderer Maßnahmen uneinheitlich ist.
Nur 18 (von 53) Ländern verfügen über umfassende Gesetze für rauchfreie Zonen in allen öffentlichen Räumen. Nur 12 bieten landesweite Telefon-Hotlines an und übernehmen die Kosten für die Entwöhnungsangebote. Umfassende Verbote für Tabakwerbung und Verkaufsförderung gibt es nur in 13 Ländern. In 19 Ländern sind Zigaretten heute bezahlbarer als noch im Jahr 2014.
Die Regulierung von E-Zigaretten und anderen neuartigen Nikotinprodukten ist innerhalb der Europäischen Region nach wie vor uneinheitlich, was die allgemeinen Bemühungen zur Eindämmung des Tabakkonsums untergräbt.
Die WHO fordert die Mitgliedstaaten auf, gemäß ihren Verpflichtungen aus dem Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs diese Lücken zu schließen, die Durchsetzung geltender Rechtsvorschriften zu forcieren und die Handlungsrahmen für die Bekämpfung des Tabakkonsums auf neue und neu aufkommende Produkte auszudehnen, bevor die aktuellen Trends zur Belastung für die nächste Generation werden.
Die zehn Faktenblätter zu MPOWER sind über den Link verfügbar.