09/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/06/2026 10:35
DiscoursPublié le 6 septembre 2026
Venise, 06.09.2026 - Discours de la conseillère fédérale Elisabeth Baume-Schneider au Palazzo Trevisan de Venise à l'occasion d'un dialogue organisé par la Suisse et réunissant le cinéaste Wim Wenders et l'architecte Peter Zumthor. Seules les paroles prononcées font foi.
E per me un grande piacere e un grande onore darvi il benvenuto questa sera a Palazzo Trevisan. Questo edificio è in un certo senso la casa svizzera di Venezia. È il simbolo dell'attaccamento e dell'impegno del nostro Paese per la diversità linguistica, considerata una vera e propria ricchezza culturale. Un luogo dove le idee superano i confini. Un luogo che ha accolto artisti, architetti, cineasti e pensatori di molti Paesi. Un luogo straordinario, le cui mura hanno molto da raccontare sull'incredibile storia di questa città. Perché sì, gli edifici parlano. Sono testimoni del tempo che passa, se si prende il tempo di guardarli, di ascoltare ciò che hanno da dirci.
Wenn ich mich heute Abend hier umschaue, kommt mir unweigerlich der Gedanke, dass man sich kaum einen besseren Ort vorstellen kann, um ein Projekt zu feiern, das selbst das Ergebnis von Neugier, Dialog und kreativer Freundschaft ist. Venedig ist eine Stadt, die uns etwas über die Zeit lehrt. Sie erinnert uns daran, dass die Werke, die Bestand haben, oft jene sind, die mit Geduld, Vorstellungskraft und einer klaren künstlerischen Vision erschaffen wurden. Vielleicht ist Venedig deshalb der ideale Ort, um die Begegnung zweier aussergewöhnlicher Künstler zu feiern: Wim Wenders und Peter Zumthor.
Auf den ersten Blick mögen Film und Architektur zwei ziemlich unterschiedliche Berufe sein. Der eine schafft Gebäude, die Generationen überdauern. Der andere erzählt Geschichten, die unauslöschliche Spuren in uns hinterlassen. Und doch beschäftigen sich beide mit derselben Frage: Wie schaffen wir Lebensräume, soziale und emotionale Orte mit Bedeutung, in denen Menschen fühlen, nachdenken, sich erinnern und ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lassen können? Peter Zumthor gelingt dies mit Architektur, Wim Wenders mit seinen Filmen. Und in diesem bemerkenswerten Film begegnen sich diese beiden künstlerischen Universen.
2012 arbeiteten Wim Wenders und Peter Zumthor erstmals hier in Venedig zusammen, im Rahmen der Architektur-Biennale - und beide waren inspiriert von dieser Stadt. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand der Kurzfilm «Notes from a Day in the Life of an Architect». Das Ergebnis ist jetzt bekannt!
Was Peter Zumthor so faszinierend macht, ist nicht allein die Schönheit seiner Werke. Es ist sein tiefes Bekenntnis zur Authentizität. Seine Gebäude laden uns dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen, zuzuhören und einen Ort intensiver zu erleben.
In vielerlei Hinsicht lässt sich dasselbe über die Filme von Wim Wenders sagen. Seit Jahrzehnten gehört er zu den herausragenden Beobachtern unserer Welt. Seine Arbeit verbindet Entdeckerfreude und Menschlichkeit mit einer aussergewöhnlichen Sensibilität für Orte und Menschen. Das macht ihn vielleicht zum idealen Filmemacher, um sich dem Werk von Peter Zumthor anzunähern.
Doch heute Abend geht es um mehr als um einen Film und um mehr als um Architektur. Es geht auch um kulturellen Dialog. Ein deutscher Filmemacher porträtiert einen Schweizer Architekten. Wir feiern diese Begegnung hier in Venedig, in einer Stadt, die seit Jahrhunderten Kulturen miteinander verbindet. Und wir tun dies an einem Ort, der Palazzo Trevisan, der für die Freundschaft und den kulturellen Austausch zwischen der Schweiz und Italien steht.
Diese schöne Konstellation erinnert uns an etwas Wichtiges: Grosse künstlerische Leistungen leben von Begegnungen. Von Neugier. Von Zusammenarbeit. Und von der Offenheit für Perspektiven jenseits der eigenen Grenzen. In der Schweiz kennen wir den Wert dieser Offenheit. Unser Land ist geprägt von unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Traditionen. Dialogfähigkeit ist für uns nicht bloss ein hehres Prinzip - sie prägt unseren politischen Alltag.
Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb Schweizer Kulturschaffende immer wieder die Verbindung mit der Welt suchen - und weshalb internationale Partnerschaften für unsere kulturelle Landschaft so wichtig sind. Ich denke beispielsweise an die Vereinbarung, die hier heute Nachmittag zwischen der Tessiner Filmkommission, der Walliser Filmkommission und der Fondazione Film Commission Vallée d'Aoste unterzeichnet wurde. Sie soll die Zusammenarbeit benachbarter Alpenregionen im audiovisuellen Bereich weiter stärken. In diesem Sinne feiern wir heute Abend wunderbare Beispiele dafür, wie Kultur Brücken baut. Nicht Brücken im ingenieurtechnischen Sinn - obwohl ich vermute, dass Peter Zumthor auch dazu einige interessante Gedanken hätte. Sondern Brücken zwischen verschiedenen Arten, die Welt zu sehen - um sie besser zu verstehen und wertzuschätzen.
Und vielleicht liegt genau darin einer der wertvollsten Beiträge, die Kultur heute leisten kann. Sie schafft Räume, in denen Menschen einander nicht in erster Linie als Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen oder Nationen begegnen, sondern als Menschen, die Geschichten, Ideen und Gefühle miteinander teilen.
This evening we celebrate an extraordinary filmmaker, an extraordinary architect and an extraordinary dialogue between their visions. On behalf of Switzerland, I would like to express our gratitude to Wim Wenders, to Peter Zumthor, to all those who contributed to this project, and to our hosts here in Venice. May this film inspire many conversations, new perspectives and perhaps even a few future collaborations. And may we continue to build bridges through culture, creativity and friendship.