Westfälische Wilhelms-Universität Münster

09/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/04/2026 08:14

Universitätsmedizin Münster erhält 25 Millionen Euro für KI-Zentrum zur Stärkung der Präzisionsonkologie

Münster (ukm/aw) - Künstliche Intelligenz bietet große Chancen, Krebserkrankungen präziser zu diagnostizieren und Behandlungen stärker auf die individuellen Voraussetzungen der Patientinnen und Patienten abzustimmen. Die Initiative AI4CancerCure.NRW soll deshalb die Kompetenzen verschiedener Standorte in Nordrhein-Westfalen in der Onkologie und KI-Forschung bündeln. Die Universitätsmedizin Münster, bestehend aus dem Universitätsklinikum Münster (UKM) und der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, plant unter Beteiligung weiterer Bereiche der Universität, im Rahmen des Gesamtprojekts für rund 25 Millionen Euro den Aufbau eines "PRECISION.AI Oncology-Zentrums". Es soll die Expertise aus Krankenversorgung, Forschung und Lehre verbinden und die Entwicklung einer KI-gestützten Präzisionsonkologie vorantreiben.

Ein Schwerpunkt des Zentrums liegt auf der Entwicklung und Anwendung innovativer KI-Methoden. Dazu sollen Medizin, Informatik, Mathematik und Datenwissenschaft eng zusammenarbeiten, um wissenschaftliche Erkenntnisse in die klinische Anwendung zu überführen. "Der wissenschaftliche Fortschritt entsteht heute vielfach an den Schnittstellen unterschiedlicher Fachgebiete. Wenn medizinische Expertise, leistungsfähige Datenwissenschaft, Mathematik und Informatik systematisch zusammenwirken, können daraus neue Ansätze für eine präzisere Krebsmedizin entstehen. Münster bietet mit der engen Verbindung von Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät sehr gute Voraussetzungen, um diese interdisziplinäre Forschung zu stärken und ihre Ergebnisse in die Versorgung zu übertragen", erklärt Prof. Frank Müller, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster.

Für die Krankenversorgung stellt sich die Frage, wie medizinische Daten mithilfe moderner KI-Methoden ausgewertet werden können, um Krebspatientinnen und -patienten individueller und zielgerichteter zu behandeln. "Künstliche Intelligenz eröffnet der Medizin neue Möglichkeiten, große, hochrelevante und komplexe Datenmengen für Präzisionsdiagnostik und Therapie zu nutzen. Entscheidend ist, diese Möglichkeiten unter Berücksichtigung von Qualitätskriterien verantwortungsvoll zu entwickeln und konsequent auf einen konkreten Nutzen für die Patientinnen und Patienten auszurichten. Mit dem geplanten Zentrum wollen wir in Münster die dafür notwendige medizinische, wissenschaftliche und technische Expertise an einem Ort zusammenbringen und unsere Mitarbeitenden qualifizieren, AI in ihrem beruflichen Alltag zu verwenden", sagt Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM.

Die Präzisionsonkologie richtet Krebsbehandlungen an den biologischen Eigenschaften der Erkrankung und den individuellen Voraussetzungen der Betroffenen aus. Dafür müssen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt werden. KI kann helfen, komplexe Zusammenhänge zu erkennen und umfangreiche Daten medizinisch zu bewerten. Sie soll ärztliche Entscheidungen nicht ersetzen, sondern durch zusätzliche Erkenntnisse unterstützen.

Neben der technologischen Entwicklung sind AI Literacy und Trustworthy AI zentrale Bestandteile des Zentrums. Der erstgenannte Begriff bezeichnet die Fähigkeit, Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen von KI-Systemen zu verstehen und ihre Ergebnisse sachgerecht einzuordnen. Beschäftigte im Gesundheitswesen müssen nachvollziehen können, wie KI-Anwendungen eingesetzt werden, welche Aussagekraft ihre Ergebnisse haben und wann eine kritische Bewertung notwendig ist. "Trustworthy AI steht für vertrauenswürdige und nachvollziehbare Verfahren, eine hohe Qualität der zugrunde liegenden Daten und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ergebnissen. In Münster wollen wir neue KI-Methoden entwickeln, die auf einem starken mathematischen und informatischen Fundament stehen und zugleich konsequent von den konkreten Herausforderungen der Krebsmedizin ausgehen. Das PRECISION.AI Oncology-Zentrum wird der Ort sein, an dem methodische Innovation, medizinische Expertise, klinische Translation und AI Literacy zusammenwirken", erläutert der KI-Forscher Prof. Benjamin Risse, Direktor des Instituts für Geoinformatik der Universität Münster und mitverantwortlich für universitätsweite Aktivitäten im Bereich KI.

Prof. Annalen Bleckmann, Direktorin des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) Münster, sieht in dem Zentrum die Chance, die Präzisionsonkologie zum Wohl der Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln: "Für uns in der Onkologie liegt die große Chance darin, klinische, bildgebende und molekulare Daten mit neuen Methoden auszuwerten und darin Zusammenhänge und Muster zu erkennen, die mit bisherigen Verfahren nur schwer zugänglich sind. Das kann helfen, Krebserkrankungen früher zu erkennen, Therapien noch gezielter auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen und neue therapeutische Ansätze zu identifizieren und zu entwickeln. Entscheidend ist, dass wir diese Möglichkeiten schnell und verantwortungsvoll in die klinische Forschung und Versorgung übertragen - damit aus technologischer Innovation ein konkreter Fortschritt für unsere Patientinnen und Patienten wird."

AI4CancerCure.NRW bündelt die Kompetenzen der beteiligten Standorte in Nordrhein-Westfalen und soll gemeinsame Entwicklungen ermöglichen. Das Land Nordrhein-Westfalen will durch die Großinvestition die universitären Zentren im Land künftig im Bereich der Präzisionsonkologie noch exzellenter positionieren.

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