WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

07/31/2026 | Press release | Archived content

Waldbrandrauch: ein häufig unterschätztes Gesundheitsrisiko

Waldbrände gelten als Gefahr oft nur für Menschen, die in der Nähe der Flammen leben, doch kann ihr Rauch über Regionen, Länder und sogar Kontinente hinweg wandern und die Luftqualität der in Windrichtung liegenden Gemeinschaften verschlechtern, was physische wie psychologische Auswirkungen hat, auch für Menschen, deren Häuser sich in großer Entfernung vom Brandherd befinden. In einem sich wandelnden Klima steigt das Risiko von Waldbränden, und die gewaltigen Brände, die in diesem Sommer in der Europäischen Region der WHO und darüber hinaus wüten, erinnern uns daran, dass die Gefahren von Waldbränden nicht nur von den Flammen, sondern auch vom Rauch ausgehen.

Höhere Luftverschmutzung

Brennende Autos in der spanischen Region Sierra Oeste in weniger als einer Stunde Entfernung von Madrid BILDNACHWEIS: UME-OCP

Waldbrandrauch ist ein komplexes Gemisch aus Gasen und sehr kleinen Partikeln, das beim Brand von Bäumen, Vegetation, Gebäuden und anderen Materialien freigesetzt wird. Wenn Waldbrände städtische oder industrielle Gebiete heimsuchen, steigt das Risiko zusätzlicher Schadstoffe. Eine der Hauptsorgen ist Feinstaub (PM2,5), denn diese winzigen Partikel können tief in die Lunge vordringen und in den Blutkreislauf gelangen. Betroffene leiden möglicherweise unter Husten, Reizungen der Augen und des Rachens, Kopfschmerzen, Keuchen und Atemnot.

Bei Menschen mit Vorerkrankungen, etwa Asthma, chronischen Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen, kann die Rauchbelastung, selbst wenn sich die Quelle in einiger Entfernung befindet, die Symptome verschlimmern und in schweren Fällen eine Krankenhauseinweisung sowie eine Notfallversorgung erforderlich machen.

Einige Menschen sind anfälliger als andere. Die Lungen von Säuglingen und Kleinkindern sind noch nicht voll herausgebildet, und ältere Menschen bewältigen die Belastung durch verschmutzte Luft möglicherweise weniger gut. Auch schwangere Frauen und bestimmte Menschen mit Behinderungen sind stärker gefährdet. Bei Menschen, deren Wohnungen sich nur schwer vor Rauch schützen lassen, oder Obdachlosen kann die Anfälligkeit ebenfalls höher sein. Rettungskräfte in der Nähe von Bränden sind dem Rauch möglicherweise stärker ausgesetzt, und im Freien tätige Arbeiter sind in unterschiedlicher Entfernung von Rauch und verschmutzter Luft betroffen.

Konstantinos Tsigkas, Leiter einer Feuerwehr in Griechenland, bestätigt die Gefahr. "Die gesundheitlichen Auswirkungen von Waldbränden gehen über unmittelbare körperliche Verletzungen hinaus", sagt er. "Rauch kann zu Atemwegsproblemen führen und bestehende Erkrankungen wie Asthma verschlimmern.

Dimitris Tosidis ist ein griechischer Fotojournalist, der über die Waldbrände in seinem Land berichtet hat. "Wenn man sich einem Feuer nähert, muss man vor allem wissen, dass der Wind drehen kann und man dann Rauch abbekommt und nicht mehr atmen kann.

So schützen Sie sich vor Rauch

Rauch von Waldbränden in der spanischen Region Sierra Oeste in weniger als einer Stunde Entfernung von Madrid BILDNACHWEIS: UME-OCP

Obwohl Waldbrände oft durch den unachtsamen Umgang mit Zigaretten oder Grillplätzen, durch Glasscherben (die das Sonnenlicht bündeln können) und sogar durch Brandstiftung ausgelöst werden, verstärken der Klimawandel und Veränderungen in der Landbewirtschaftung die Bedingungen, die ihre Ausbreitung begünstigen. Höhere Temperaturen, längere Hitzewellen, veränderliche Niederschlagsmuster, häufigere Dürren und trockenere Vegetation schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Waldbrände entstehen und sich ausbreiten können. Weder Waldbrände noch Waldbrandrauch machen vor Grenzen Halt. Selbst wenn der Brandherd weit entfernt ist, bedeutet Gesundheitsschutz, auf Warnmeldungen zur Luftqualität zu achten.

"Bei Waldbränden in Ihrer Region, auch wenn sie noch relativ weit entfernt sind, sollten Sie die Anweisungen Ihrer kommunalen Behörden befolgen, die über die aktuellsten Informationen zur Lage vor Ort verfügen", sagt Dorota Jarosinska vom Europäischen Zentrum der WHO für Umwelt, Klimawandel und Gesundheit. "Wenn Sie Rauch riechen können, befindet er sich bereits in Ihrer Atemluft, und Sie sollten sich schützen, indem Sie Ihre Belastung verringern, insbesondere wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören. Selbst wenn Sie keinen Rauchgeruch wahrnehmen, weisen Sie möglicherweise Symptome auf, und Waldbrände können beim Drehen des Windes plötzlich die Richtung ändern, weshalb Sie auf aktuelle Informationen achten sollten."

Wie Sie sich vor Waldbrandrauch schützen

Ziehen Sie zum Schutz vor Waldbrandrauch folgende Maßnahmen in Betracht:
  • Verfolgen Sie die offiziellen Meldungen und Hinweise Ihrer kommunalen Behörden, darunter Warnungen vor Luftverschmutzung und Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen. Halten Sie sich über Anweisungen zu einem Standortwechsel oder einer Evakuierung auf dem Laufenden.
  • Bei nahe gelegenen Waldbränden oder hoher Luftverschmutzung durch Rauch bleiben Sie möglichst im Haus, und halten Sie Türen und Fenster geschlossen, es sei denn, Ihnen wurde zur Evakuierung geraten. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die durch die Auswirkungen des Rauchs am stärksten gefährdet sind: Kinder und ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen.
  • Sollten Sie nach draußen gehen müssen, tragen Sie eine gut sitzende Maske (FFP2 oder N95). Bei Hitze sollten Sie Ihre Aktivitäten im Freien dosieren und Pausen einlegen, da das Tragen einer Maske bei körperlicher Anstrengung unter diesen Bedingungen eine zusätzliche physiologische Belastung darstellt.
  • Beschränken Sie unnötige Reisen. Wenn Reisen unerlässlich sind, sollten Kraftfahrzeugfahrer auch tagsüber die Scheinwerfer einschalten, damit das Fahrzeug besser wahrgenommen wird und sichtbar ist. Optimieren und warten Sie die Filter- und Belüftungssysteme Ihres Fahrzeugs, und fahren Sie mit geschlossenen Fenstern und eingeschalteter Umluft.
  • Waldbrände können zeitgleich mit Hitzewellen auftreten. Dies sind jeweils eigenständige Gefahren, die sich jedoch gegenseitig verstärken können.
  • Sollte während einer Hitzewelle auch Waldbrandrauch vorhanden sein, verwenden Sie anstelle von Ventilatoren, die Luft von außen ansaugen, nur Ventilatoren, die die vorhandene Raumluft bewegen, und schalten Sie, wenn Sie eine Klimaanlage nutzen, auf Umluftbetrieb, und vermeiden Sie eine direkte Außenluftzufuhr. Schließen Sie Fenster und Jalousien (sofern vorhanden). Halten Sie sich im kühlsten Raum Ihres Hauses auf, vor allem nachts.
  • Verringern Sie andere Quellen der Raumluftverschmutzung - etwa das Rauchen von Zigaretten, die Verwendung von Propangas oder Holzöfen, die Nutzung von Aerosol-Produkten und das Braten oder Grillen von Lebensmitteln - um die zunehmende Partikelbelastung durch die Außenluft zumindest zum Teil kompensieren zu können.
  • Achten Sie bei Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schwangerschaft auf etwaige gesundheitliche Symptome.
  • Nehmen Sie bei Auftreten von Symptomen medizinische Hilfe in Anspruch.

Was sollten öffentliche Gesundheitsdienste zum Schutz der Menschen bereitstellen?

Öffentliche Gesundheitsdienste sollten Folgendes bereitstellen:
  • frühzeitige Informationen zu den von Waldbränden ausgehenden Gefahren
  • Informationen und Beratung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Waldbränden sowie zu Schutzmaßnahmen
  • Informationen zu Telefonhotlines sowie zu sozialen und medizinischen Angeboten
  • Primärversorgung, ambulante Versorgung und Unterstützung durch örtliche Krankenhäuser
  • Vorrichtungen für die Sauerstoffzufuhr und Beatmungsgeräte für besonders anfällige Bevölkerungsgruppen
  • öffentlich zugängliche Orte als Schutzräume mit sauberer Luft und zum Abkühlen.
WHO/Europa arbeitet gemeinsam mit den Ländern daran, die Risiken zu bewerten und Vorbereitungen für die Notfallreaktion zu treffen. Zudem hat es einen Leitfaden und ein Ressourcenpaket für das Gesundheitswesen mit Instrumenten und Ressourcen erstellt, die die Menschen vor Rauch und extremer Hitze schützen und die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitsdienste und -einrichtungen gegenüber Waldbränden und Hitzewellen steigern sollen.
WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on July 31, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on August 13, 2026 at 15:20 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]