09/08/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/08/2026 01:53
Noch ist das entstehende Bohrkernarchiv an der Freiberger Lessingstraße eine Baustelle - ab 2027 wird es die Bohrkerne und geologischen Befunde der TU Bergakademie Freiberg und des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beherbergen. Internationale Künstler und Künstlerinnen waren eingeladen, ihre Entwürfe für die Gestaltung des Eingangsbereichs einzureichen. Gewonnen hat die Leipziger Künstlerin Franziska Möbius mit ihrem Entwurf "INSIGHTS" - eine Glasinstallation, die an Form und Analyse von Bohrkernen erinnert.
"Ich habe die Inspiration zu meinem Werk von einem wissenschaftlichen Verfahren bekommen: der multispektralen Bildgebung", sagt Franziska Möbius bei der Eröffnung einer Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten im Foyer der terra mineralia in Schloss Friedenstein. Bei der multispektralen Bildgebung werden Bohrkerne mithilfe von UV-Licht analysiert und so ihre verborgenen Strukturen sichtbar gemacht. Franziska Möbius' Arbeit, eine senkrechte Glassäule, durchbricht die Wandscheibe im Eingangsbereich des Bohrkernarchivs. Die Säule wird aus einzelnen Glasscheiben bestehen und Licht in das Innere des Gebäudes lassen. In der Bewertung der Jury heißt es: "Die Arbeit überzeugt mit einer klaren und zugleich sinnlichen Ausstrahlung. Die gläserne Säule erinnert an einen Bohrkern, aber mit einer ganz eigenen Ästhetik."
Jurymitglied Professor Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen von der TU Bergakademie Freiberg, betont den Transfergedanken, der hinter dem Kunst-am-Bau-Wettbewerb für das Bohrkernarchiv steckt: "Wenn mit öffentlichen Mitteln gebaut wird, sollte dies auch eine Wirkung in die Gesellschaft haben. Kunst am Bau soll hier Wissenschaft sichtbar machen und Interesse wecken. Besonders spannend ist die Verwendung des Werkstoff Glas, denn hier werden Rohstoffe durch thermische Energie in völlig neue Materialien umgewandelt, ganz das Thema unserer Ressourcenuniversität." Die Künstlerin selbst sieht Kunst als Übersetzerin von Wissenschaft, die Menschen außerhalb von Hochschulen und Forschungseinrichtungen einen Zugang zu wissenschaftlichen Themen bietet. "Fasziniert hat mich auch der Archivgedanke", erklärt Franziska Möbius, "dass hier etwas geschaffen wird, mit dem die Nachwelt etwas anfangen kann. Archive sind nicht in die Vergangenheit, sondern nach vorne, in die Zukunft, gedacht."
Franziska Möbius' Entwurf setzte sich gegen sechs weitere Ideen durch. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern stammen aus Deutschland, Österreich und Südostasien. 70.000 € stellt der Freistaat Sachsen für die Umsetzung der künstlerischen Idee zur Verfügung.
Die Siegerarbeit und weitere eingereichte Einwürfe sind bis 18. September 2026 im Lila Foyer der terra mineralia im Schloss Freudenstein ausgestellt. Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag, 10-17 Uhr und Samstag, Sonntag, feiertags 10-18 Uhr.